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Firefox Nightly: Tabs jetzt mit SplitView-Ansicht

Von: Christoph Langner

Eine praktische Neuerung hält Einzug in die aktuelle Nightly-Version von Firefox: Mit der neuen SplitView-Funktion lässt sich ein einzelner Tab in zwei Bereiche aufteilen, um beispielsweise zwei Webseiten nebeneinander zu betrachten und Daten bequem zwischen ihnen auszutauschen.

In meinen Augen ist das deutlich praktikabler und geht das wesentlich schneller, als ein zweites Firefox-Fenster zu öffnen und dieses mithilfe der Schnapp-Funktion der Desktopumgebung links und rechts auf dem Bildschirm sauber auszurichten.

Um SplitView in Firefox Nightly zu aktivieren, geht ihr folgendermaßen vor:

  • Öffnet die Adresszeile und gebt about:config ein.
  • Sucht nach dem Eintrag browser.tabs.splitView.enabled.
  • Setzt den Wert von false auf true (ein Doppelklick genügt).

Die neue Funktion steht anschließend ohne Neustart bereit. Öffnet mit einem Rechtsklick auf einen Tab das Kontextmenü und wählt Geteilte Ansicht hinzufügen. Zum Trennen wählt ihr Geteilte Ansicht beenden oder zieht den geteilten Abschnitt in der Tableiste auf einen freien Bereich.

Firefox Nightly mit einem klassischen Tab. Die Benutzeroberfläche entspricht dem aktuellen Stand der Nightly-Version ohne aktivierte SplitView-Funktion.
Firefox Nightly mit einem klassischen Tab. Die Benutzeroberfläche entspricht dem aktuellen Stand der Nightly-Version ohne aktivierte SplitView-Funktion.
Firefox Nightly mit aktivierter SplitView-Ansicht: Zwei Webseiten lassen sich im selben Tab nebeneinander darstellen – ideal zum Vergleichen oder parallelen Arbeiten ohne Fensterchaos.
Firefox Nightly mit aktivierter SplitView-Ansicht: Zwei Webseiten lassen sich im selben Tab nebeneinander darstellen – ideal zum Vergleichen oder parallelen Arbeiten ohne Fensterchaos.

Das Ganze funktioniert ähnlich wie in Google Chrome, wo sich die Funktion derzeit ebenfalls nur experimentell aktivieren lässt. Chrome bietet allerdings schon ein paar zusätzliche Optionen, um geteilte Tabs besser zu organisieren. Damit rückt Firefox jedoch jetzt in puncto Funktionalität wieder ein Stück näher an den Konkurrenten heran.

In Google Chrome lässt sich SplitView ebenfalls aktivieren, allerdings derzeit nur über experimentelle Flags. Dort bietet der Browser bereits zusätzliche Organisationsoptionen für geteilte Tabs.
In Google Chrome lässt sich SplitView ebenfalls aktivieren, allerdings derzeit nur über experimentelle Flags. Dort bietet der Browser bereits zusätzliche Organisationsoptionen für geteilte Tabs.
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Ob wir es wollen oder nicht: WordPress setzt auf KI

Von: Christoph Langner

Ich betreibe meinen Blog seit vielen Jahren mit WordPress. Es war nie perfekt, aber die Kombination aus einfacher Bedienung, riesigem Plugin-Ökosystem und der Möglichkeit, die Software komplett selbst zu hosten, hat damals überzeugt. Ich mag es, wenn ich Kontrolle über meine Inhalte habe und WordPress hat mir diese Kontrolle lange gewährt.

Mit der Ankündigung eines eigenen WordPress-AI-Teams macht das Projekt aber jetzt klar: KI wird in Zukunft nicht nur ein Randthema, sondern ein fester Bestandteil der Plattform werden. Die Frage ist nicht mehr, ob KI in WordPress integriert wird, sondern nur noch, wie schnell und tiefgreifend die künstliche „Intelligenz“ in WordPress Einzug erhält.

Was plant das neue AI-Team?

Laut offizieller Mitteilung soll das neue „WordPress AI Team““ alle Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz im WordPress-Ökosystem bündeln und vorantreiben. Die Strategie folgt dabei dem „Plugin-First“-Ansatz: Neue KI-Funktionen sollen zuerst als sogenannte Canonical Plugins erscheinen, also offiziell empfohlene Erweiterungen, die später in den Core übernommen werden könnten.

Dazu gehören etwa:

  • Textvorschläge beim Schreiben von Beiträgen
  • Automatische Bildunterschriften und Barrierefreiheitshilfen
  • „Intelligente““ SEO-Optimierung
  • Unterstützung für Übersetzungen mithilfe neuronaler Modelle

Man will die Entwicklung offen und gemeinschaftlich gestalten, heißt es, allerdings stehen mit Mitarbeitern von Google und Automattic zwei Schwergewichte ganz vorne auf der Liste der Teammitglieder. Es fällt schwer, darin keinen Interessenkonflikt zu sehen.

Warum das nicht nur gute Nachrichten sind

Ich sehe KI nicht grundsätzlich negativ. In vielen Bereichen kann sie uns Arbeit abnehmen – besonders bei repetitiven Aufgaben oder sprachlichen Barrieren. Aber wenn KI zum Standard wird, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer hat eigentlich noch die Kontrolle?

Denn: KI-Funktionen basieren oft auf Modellen, die nicht lokal, sondern auf fremden Servern laufen – meist bei großen Cloudanbietern wie OpenAI, Google oder Amazon. Wer diese APIs nutzt, überträgt Daten dorthin. Das ist nicht nur ein Datenschutzproblem, sondern auch eine Frage der digitalen Souveränität.

Noch muss man Artikel in WordPress selber tippen oder Inhalte extern von ChatGPT und Co. aufbereiten lassen. In Zukunft will WordPress KI-Tools direkt in das CMS einbetten.

Außerdem droht eine zunehmende Abhängigkeit von kommerziellen Diensten: Wenn WordPress-Plugins plötzlich ohne Abo oder API-Schlüssel gar nicht mehr richtig funktionieren, verlieren wir als Nutzende ein Stück unserer Freiheit und das in einem System, das sich bislang auf Offenheit und Selbstbestimmung berufen konnte.

Was könnt ihr tun?

Wenn ihr WordPress nutzt und euch fragt, wie ihr mit dieser Entwicklung umgehen sollt, hier ein paar Ideen:

1. KI-Funktionen kritisch prüfen

Nicht jedes neue Feature ist ein Fortschritt. Wenn Plugins plötzlich KI-Module einführen, fragt euch: Was wird da automatisiert? Welche Daten fließen wohin? Könnt ihr das Verhalten nachvollziehen oder kontrollieren?

2. Selbst gehostete Alternativen bevorzugen

Viele Aufgaben lassen sich auch ohne Cloud-KI erledigen. Für Barrierefreiheit oder SEO gibt es Tools, die lokal arbeiten. Und wer maschinelle Übersetzung will, kann etwa LibreTranslate oder Bergamot ausprobieren. Beides sind Open-Source-Projekte, die keine Daten ins Silicon Valley schicken.

3. Community-Projekte unterstützen

Die WordPress-Welt ist groß. Wenn ihr Entwicklerinnen oder Entwickler kennt, die an datenschutzfreundlichen Plugins arbeiten, gebt ihnen Rückmeldung, bewertet ihre Projekte oder spendet ein paar Euro. Auch kleine Gesten helfen. Im deutschen Sprachraum gehört beispielsweise das Pluginkollektiv zu solchen Initiativen.

4. Den AI-Entwicklungsprozess beobachten

Die Make-WordPress-Seite zum Thema KI und der zugehörige Slack-Kanal #core-ai sind öffentlich zugänglich. Wer mitlesen oder mitdiskutieren will, kann das tun, auch ohne Google- oder Automattic-Logo im Profil.

WordPress will in Sachen KI-Entwicklung auf der Höhe der Zeit sein. Das mag aus Sicht des Projekts verständlich sein, immerhin verändert KI die Art, wie wir Inhalte erstellen, rasant. Aber aus Sicht der Nutzer bedeutet das vor allem eines: Wir müssen genauer hinschauen, wofür diese Technik eingesetzt wird und ob sie uns wirklich hilft oder nur weiter entmündigt.

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WordPress wird 22: Und ich bin seit 2006 dabei

Von: Christoph Langner

Junge, junge. Die Zeit verfliegt. Heute, am 27. Mai 2025, wird WordPress 22 Jahre alt. Ich erinnere mich noch gut an meinen Einstieg – im Januar 2006, als ich auf meinem frisch installierten Ubuntu Breezy Badger eine WLAN-Karte von 3Com zum Laufen bringen wollte und das dokumentieren wollte. Mein Beitrag dazu war der erste Artikel auf linuxundich.de – und mein erster Blogpost überhaupt mit WordPress.

Damals lief die Version 2.0 mit dem Codenamen Duke. Das Backend war noch recht schlicht, Plugins wirkten oft wie Bastellösungen, Themes mussten von Hand angepasst werden – und von Gutenberg oder APIs war keine Rede. Trotzdem: Es hat funktioniert. Wesentlich besser als meine ersten Schritte mit Drupal oder Joomla, die ich damals ebenfalls ausprobiert hatte. Und das tut es bis heute.

Ein Dinosaurier, der sich bewegt

WordPress ist längst kein reines Blogsystem mehr. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 43 Prozent aller Websites weltweit setzen auf WordPress, es gibt über 70.000 Plugins, mehr als 30.000 Themes und mit WooCommerce eine E-Commerce-Plattform, die ein Drittel des Markts abdeckt. Das CMS ist in über 200 Sprachen verfügbar – darunter auch viele, die in rein proprietären Plattformen keine Beachtung finden.

Klar, WordPress ist von der Technik her nicht (mehr) perfekt. PHP als Basis ist aus heutiger Sicht nicht jedermanns Sache, und ohne Caching gerät selbst ein mittelgroßer Blog schnell ins Schlingern. Aber es gibt Lösungen. Ich setze auf ein Setup mit WP Super Cache – eines der wenigen Cache-Plugins für WordPress, das keine jährliche Zahlung verlangt. Damit bleibt das System schnell und zugänglich, auch ohne großartige Serverinfrastruktur im Rücken.

So stabil WordPress als System auch wirkt – rundherum kriselt es. In den letzten Jahren gab es mehrfach Berichte über Entlassungen bei Automattic, der Firma hinter WordPress.com und vielen zentralen Projekten im WordPress-Ökosystem. Auch der Führungsstil von Matt Mullenweg, Mitgründer von WordPress und CEO von Automattic, steht zunehmend in der Kritik: zu viel Macht in einer Hand, intransparente Entscheidungen, eine wachsende Kluft zwischen kommerziellem Kurs und Community-Anspruch.

Viele in der Community fühlen sich übergangen, wenn Funktionen wie der Gutenberg-Editor oder neue Standards eingeführt werden, ohne ausreichende Diskussion auf Augenhöhe. WordPress ist ein offenes Projekt – aber die Realität fühlt sich manchmal anders an. Das schmälert für mich nicht den Wert der Plattform, zeigt aber, dass wir auch bei freier Software genau hinschauen müssen, wer die Richtung vorgibt.

WordPress oder statischer Seitengenerator?

Viele Entwickler zieht es heute zu Generatoren wie Hugo, Jekyll oder Ghost, die statische Seiten erzeugen und den klassischen LAMP-Stack umgehen. Ich verstehe das gut. Ich schreibe meine Texte fast ausschließlich im Markdown-Format, oft direkt in Apostrophe auf GNOME. Statische Generatoren passen da hervorragend ins Bild – kein Datenbankserver, keine PHP-Engine, keine laufenden Prozesse. Reine HTML-Dateien lassen sich bequem per rsync oder über GitHub Pages veröffentlichen.

Dieser Artikel entsteht in Apostrophe, einem schlanken Editor für Markdown. Er bietet eine reduzierte Schreibumgebung direkt unter Linux mit GNOME.

Trotzdem bin ich bei WordPress geblieben. Warum? Weil es einfach läuft. Die Verwaltung ist bequem, das Backend ist durch Gutenberg aufgeräumt und mit Markdown-Unterstützung gut nutzbar. Auch mobil kann ich Beiträge pflegen oder Kommentare moderieren. Und durch die schier unendliche Plugin-Landschaft lässt sich das System flexibel anpassen, ohne dass man jedes Feature selbst programmieren müsste.

In den letzten 20 Jahren hat sich allerdings leider auch viel verändert. Inzwischen ist so gut wie jedes Plugin kommerziell. Die kostenlosen Varianten sind oft auf wenige Grundfunktionen reduziert. Und statt einmaliger Käufe gibt es bei vielen Plugins nur noch Abo-Modelle. Es gibt nur noch sehr wenige Entwickler\:innen oder Gruppen wie das Pluginkollektiv, die mit Plugins wie Antispam Bee oder Statify grundsolide, datenschutzfreundliche Werkzeuge anbieten – vollumfänglich kostenlos und unter freien Lizenzen.

Der gleiche Artikel im Gutenberg Editor von WordPress. Mit Blöcken, Vorschau und einfacher Medienintegration vereinfacht der Editor das „Bauen“ des Artikels für das Web.

Fazit: Alt, aber bewährt

WordPress ist heute so relevant wie eh und je. Es mag altmodisch erscheinen, vor allem im Vergleich zu minimalistischen, Markdown-basierten Generatoren – doch genau das ist seine Stärke: Stabilität, Flexibilität und eine Community, die auch nach über zwei Jahrzehnten aktiv bleibt. Ich habe viel mit anderen Systemen experimentiert, bin aber immer wieder zurückgekehrt. Es läuft einfach.

Von daher: Herzlichen Glückwunsch, WordPress. Auf weitere 22 Jahre – und darauf, dass wir unsere Inhalte weiterhin unabhängig veröffentlichen können. Egal ob mit CMS, statischen Generatoren oder anderen Werkzeugen. Hauptsache: selbstbestimmt, offen, unter unserer Kontrolle. Irgendwie müssen wir ja weiterhin für ein freies und unabhängiges Netz ohne große Konzerne kämpfen.

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BGH-Urteil: Zwang zur Entsperrung per Fingerabdruck ist rechtmäßig – was heißt das für uns?

Von: Christoph Langner

Ich gebe zu: Der Komfort von Fingerabdrucksensoren ist verlockend. Ein kurzer Druck auf den Sensor, schon ist das Handy per Fingerabdruck entsperrt. Kein Herumtippen auf dem Display, keine PIN, kein Muster. Gerade wenn man viel unterwegs ist, macht das den Alltag einfacher. Aber dieser Komfort hat seinen Preis und der wird nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) deutlicher denn je.

Finger drauf – Tür auf: Was das BGH entschieden hat

Der BGH in einem gerade veröffentlichtem Urteil hat klargestellt: Ermittlungsbehörden dürfen Beschuldigte zwingen, ihr Smartphone per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu entsperren. Die sogenannte Selbstbelastungsfreiheit (auch bekannt als nemo tenetur) greift dabei nicht – denn biometrische Entsperrung gilt juristisch als passiv. Solange ich also nicht aktiv eine PIN mitteile, ist der Zwang rechtlich zulässig.

Das Urteil (Az. 2 StR 232/24) findet sich hier im Volltext und ist in seiner juristischen Tragweite ziemlich deutlich: Der Staat darf bei entsprechender Verdachtslage biometrische Entsperrmethoden gegen den Willen der Betroffenen nutzen. Die Hürde liegt damit nicht mehr in der technischen Umsetzbarkeit, sondern nur noch in der rechtlichen Begründung durch die Ermittler.

Warum uns das alle betrifft – nicht nur Kriminelle

Natürlich wird niemand gezwungen, biometrische Sperren zu verwenden. Aber genau das ist der Punkt: Viele von uns tun es freiwillig, oft ohne zu wissen, was das im Ernstfall bedeutet. Wer glaubt, dass Datenschutz nur für „die mit was zu verbergen“ gilt, hat das Prinzip nicht verstanden. Es geht um Selbstbestimmung. Darum, wer Zugriff auf unsere privaten Daten hat – und unter welchen Bedingungen.

Unsere Smartphones enthalten weit mehr als nur Telefonnummern, Chats und Urlaubsfotos. Kalender, Standortverläufe, 2FA-Apps, Banking, Trading, Passwortmanager und vieles mehr. Wer Zugriff auf ein entsperrtes Gerät hat, kann in kürzester Zeit tiefe Einblicke in unser digitales Leben gewinnen. Umso wichtiger ist es, bewusst zu entscheiden, wie wir unsere täglich mit uns herumgetragenen Geräte schützen.

Apple iPhones und Android-Handys lassen sich bei Bedarf sehr schnell so sperren, dass biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung nicht mehr funktionieren.
Apple iPhones und Android-Handys lassen sich bei Bedarf sehr schnell so sperren, dass biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung nicht mehr funktionieren.

Biometrischen Entsperren temporär deaktivieren

Zum Glück bieten moderne Smartphones und Tablets mit Android oder iOS mittlerweile direkte Wege, biometrische Entsperrung wie eben den Fingerabdruck mit einem oder wenigen Knopfdrücken auszuschalten, ohne die Biometrie komplett zu deaktivieren. Das kann in Situationen wichtig sein, in denen ihr kurz davor steht, euer Gerät aus der Hand zu geben. Etwa bei einer Kontrolle oder Durchsuchung.

Android (Google, Samsung und Co.)

  • Allgemein (meiste Geräte): Ein/Aus-Taste lange gedrückt halten » Sperren
  • Google Pixel: Ein/Aus-Taste + Lauter gleichzeitig » Sperren

Damit wird die aktuelle Sitzung gesperrt und biometrische Entsperrung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung ist deaktiviert. Eine PIN oder ein Passwort ist danach zum Entsperren des Geräts zwingend erforderlich. Auch ein Neustart würde in diesem Fall nicht weiterhelfen, da sich das Gerät danach sowieso nur per Pin aufsperren ließe.

Hinweis: Wer möchte, kann das Verhalten der Powertaste in den Einstellungen von Android anpassen: Einstellungen » System » Touch-Gesten & Bewegungen » Ein-/Aus-Taste gedrückt halten » Ein-/Aus-Menü

Apple (iPhone, iPad, iOS)

  • 5x schnell die Seitentaste drücken » biometrische Entsperrung wird deaktiviert (auch bekannt als Lockdown Mode)

Seit iOS 18.4 gibt es außerdem ein interessantes Detail: Wird das iPhone drei Tage lang nicht benutzt, startet es automatisch neu und wechselt in den sogenannten BFU-Modus („Before First Unlock“). Selbst professionelle Forensiklösungen wie Cellebrite haben dann (zumindest laut ihrer eigenen Aussage nach) Probleme, an die Daten zu kommen. Solange die PIN eben nicht bekannt ist.

Konsequenz: Komfort oder Kontrolle – ihr entscheidet

Ich will niemandem vorschreiben, wie ihr eure Geräte absichert. Aber ich finde es wichtig, die Folgen zu kennen. Biometrie ist bequem, aber eben auch angreifbar, gerade aus juristischer Sicht. Wer sich auf den Schutz durch Fingerabdruck oder Gesichtserkennung verlässt, sollte sich bewusst sein, dass dieser Schutz in bestimmten Situationen keinen Bestand hat. Die einfache Alternative: PIN oder Passwort und im Zweifel schnell auf den Sperren-Knopf. Damit behaltet ihr die Kontrolle darüber, wann euer Gerät entsperrt wird und vor allem, durch wen.

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Mozilla stellt Pocket ein. Plant euren Umstieg zu Wallabag und Co.

Von: Christoph Langner

Ich konnte mich mit Pocket nie so richtig anfreunden. Die Idee eines „Read-it-later“-Dienstes ist in meinen Augen zwar super wichtig, aber die Umsetzung bei Pocket wirkte auf mich immer ein wenig zu geschlossen – vor allem, seit Mozilla die Plattform nach der Übernahme 2017 zunehmend in den Firefox-Kosmos integriert hat.

Eine Zeit lang habe ich stattdessen Omnivore ausprobiert, was einen offenen Ansatz verfolgte und auch mit einem Linux-Desktop gut zusammenspielte. Doch auch dieser Dienst wurde inzwischen eingestellt. Heute setze ich auf eine selbstgehostete Lösung: Wallabag. Die Anwendung lässt sich auf dem eigenen Server betreiben, unterstützt zahlreiche Importformate und bringt Apps und Erweiterungen für verschiedene Plattformen mit.

Dass Mozilla Pocket nun endgültig einstellt, überrascht mich also nicht persönlich. Betroffen macht es trotzdem, denn für viele war der Dienst ein zuverlässiger Begleiter im digitalen Alltag.

Am 8. Juli 2025 ist Schluss

Wie Mozilla mitteilt, wird der Dienst zum 8. Juli 2025 offiziell abgeschaltet. Bis dahin bleibt Pocket noch wie gewohnt nutzbar, per App, Browser-Erweiterung oder Weboberfläche. Ab diesem Datum wechselt der Dienst in einen sogenannten „Export-Only-Modus“: Ihr könnt eure gespeicherten Inhalte weiterhin exportieren, aber nicht mehr nutzen oder neue Inhalte hinzufügen. Eine Anleitung

Wichtig: Die Frist zum Export läuft am 8. Oktober 2025 ab. Danach werden sämtliche Nutzerkonten und gespeicherte Daten gelöscht – unwiderruflich. Eine Anleitung gibt detaillierte Informationen, wie man seine gespeicherten Daten exportieren kann.

Mozillas Begründung zum Ende

Offiziell heißt es, das Nutzungsverhalten im Netz habe sich verändert. Mozilla wolle sich auf Projekte konzentrieren, die „besser zu den heutigen Surfgewohnheiten“ passen. Im Hintergrund dürfte aber vor allem eines eine Rolle spielen: Ressourcen.

Seit der Übernahme im Jahr 2017 hatte Mozilla Pocket zwar technisch weiterentwickelt und in Firefox eingebunden, zuletzt aber immer weniger Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Die automatische Integration in den „Neuer Tab“-Bildschirm von Firefox zeigte bereits, dass Pocket zunehmend als Content-Empfehlungsmaschine und nicht mehr als Lesezeichen-Dienst verstanden wurde.

Die Inhalte auf der „Neuen-Tab-Seite“ von FIrefox stammen von Pocket. Zum Glück kann man die Startseite von diesem ganzen Unsinn befreien. Noch.

Mit dem Aus für Pocket will Mozilla diese Empfehlungssparte nun über andere Kanäle fortführen: Im Firefox-Startbildschirm, per Newsletter („Ten Tabs“) und über redaktionell kuratierte Inhalte. Ich hoffe mal stark, dass man in Firefox alle diese Inhalte weiterhin deaktivieren kann. Ich für meinen Teil will beim Öffnen eines Tabs nichts anderes sehen, als eine weiße Fläche. Schon alle eine kurze Bedenkzeit zum Laden dieser Inhalte bremst beim Arbeiten aus.

Wie ihr eure Daten rettet

Wenn ihr Pocket genutzt habt, solltet ihr nicht bis Juli warten, sondern eure Inhalte möglichst bald sichern. Der Export enthält: Eure Leseliste, die archivierten Artikel, Favoriten und die Notizen und Markierungen. Die Daten lassen sich als HTML-Datei exportieren, die sich lokal speichern und mit anderen Diensten weiterverarbeiten lässt. Eine direkte Migration zu Alternativen ist zwar nicht vorgesehen, aber manche Drittanbieter bieten zumindest Importfunktionen für Pocket-Exporte an. Bei Wallabag läuft der Import über die Pocket API.

Was passiert mit Pocket Premium?

Wer ein kostenpflichtiges Pocket-Premium-Abo abgeschlossen hat, erhält eine anteilige Rückerstattung. Die Regeln sind dabei klar:

  • Monatsabos: Die automatische Verlängerung wird sofort gestoppt. Es fallen keine weiteren Kosten an, Rückerstattungen sind nicht vorgesehen.
  • Jahresabos: Die Abonnements werden am 8. Juli 2025 gekündigt. Der ungenutzte Zeitraum wird automatisch auf das ursprüngliche Zahlungsmittel zurückerstattet.

Ein manuelles Eingreifen ist in beiden Fällen nicht nötig. Ich glaube aber, dass kaum hier jemand für Pocket gezahlt haben dürfte.

Erweiterungen und Apps: Was bleibt, was verschwindet?

Ab dem 22. Mai 2025 wird die Pocket-Erweiterung nicht mehr über die offiziellen Browser-Add-on-Seiten angeboten. Bereits installierte Erweiterungen bleiben zunächst bestehen, funktionieren aber nur bis zum 8. Juli. Danach verweisen sie lediglich noch auf die Export-Seite. Entfernen müsst ihr die Erweiterungen dann selbst – eine automatische Deinstallation erfolgt nicht.

Auch die Pocket-App für Android- oder Apple-Smartphones und Tablets verschwindet nach dem 22. Mai aus den App Stores. Wer sie bereits installiert hat, kann sie noch bis zum 8. Oktober neu installieren. Auch wenn Sie nicht automatisch vom Handy verschwindet. Nach dem offiziellen Ende ist auch hier Schluss. Ein Grund mehr, sich nach Alternativen umzusehen.

Alternativen: Wohin jetzt?

Das Ende von Pocket reißt eine Lücke – gerade für all jene unter euch, die plattformübergreifend lesen, speichern und sortieren möchten, ohne sich auf datenhungrige Konzerne verlassen zu müssen. Es gibt Alternativen, die teilweise freie Software sind und mehr Kontrolle bieten:

  • Wallabag: Eine selbst hostbare, freie Pocket-Alternative. Unterstützt Importe, Tags, Offline-Lesen und hat Apps für Android & iOS.
  • Linkding: Ein minimalistischer Self-Hoster für Lesezeichen, nicht speziell für „Read-it-later“, aber flexibel erweiterbar.
  • Shiori: Einfache, self-hostbare Lesezeichenverwaltung mit Read-it-later-Funktion und Webinterface.
  • Karakeep (ehemals Hoarder): Moderner „Read-it-later“-Dienst mit Markdown-Unterstützung und Webclipper-Erweiterung.

Diese Lösungen setzen teils einen eigenen Server voraus, was Aufwand bedeutet, aber auch mehr Kontrolle über eure Daten. Ich bin es mittlerweile leid, solche Dienste alle naselang zu migrieren. Neben Feedradern hoste ich auch meinen Read-It-Later-Dienst lieber selber. Eine Liste mit weiteren Alternativen findet ihr bei selfh.st.

Auch wenn ich die Aufmachung von Wallabag bislang nicht so gut finde. Den Open-Source-Dienst kann man ohne Probleme selbst hosten. Neben der WebUI gibt es auch Apps für Android und Co.

Fazit: Ein leiser Abschied mit großem Echo

Die Einstellung von Pocket ist mehr als nur das Ende eines Produkts. Sie erinnert uns daran, wie schnell selbst langjährig genutzte Dienste verschwinden können, selbst wenn sie von gemeinnützigen Organisationen betrieben werden. Ich habe Pocket zwar nicht selber genutzt, ich kann mir aber gut vorstellen, dass es Mozilla-User gibt, die dem Dienst nachtrauern werden.

Die wichtigste Lehre daraus sollte sein: Setzt euch mit Selfhosting auseinander. Wer Dienste selbst betreibt, hat mehr Kontrolle über Funktionen, Daten und Zukunftssicherheit und spart auf lange Sicht oft sogar Zeit und Geld. Die freie Software-Welt bietet für praktisch jeden proprietären Dienst eine leistungsfähige Open-Source-Alternative. Nutzt sie!

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Microsoft veröffentlicht quelloffenen TUI-Texteditor „Edit“ für Windows und Linux

Von: Christoph Langner

Microsoft hat mit Edit einen neuen, quelloffenen Texteditor für die Kommandozeile vorgestellt. Das unter der MIT-Lizenz veröffentlichte Projekt ist nicht nur für Windows, sondern auch für Linux verfügbar. Zudem nicht nur für PCs, sondern auch für die ARM64-Architektur, wie sie auf dem Raspberry Pi genutzt wird. Der Editor richtet sich an Nutzer, die ein einfaches, schnelles Werkzeug für das Bearbeiten von Textdateien im Terminal suchen. Microsofts Edit reiht sich irgendwo zwischen Nano, Micro oder Kilo ein.

Kompakter Editor für den Terminaleinsatz

Edit ist ein schlanker Editor mit Text User Interface (TUI), der insbesondere auf Portabilität und geringe Abhängigkeiten ausgelegt ist. Die Software setzt auf eine eigene TUI-Bibliothek, die laut Projektentwickler besser zu einer geplanten Plugin-Schnittstelle auf Basis einer C-ABI passt. Außerdem wurde Wert auf UTF-8-Unterstützung, kompakte Dateigröße, VT-kompatible Ausgabe (für bessere SSH-Kompatibilität) und statische Kompilierung gelegt. So lässt sich das Programm ohne Abhängigkeiten ausführen.

Der Editor wurde in Rust geschrieben, nachdem erste Prototypen in C, C++ und Zig entstanden waren. Die Entscheidung für Rust fiel, weil die Sprache innerhalb Microsofts bereits offiziell unterstützt wird und sich gut für systemnahe Programmierung eignet. Der Editor ist natürlich für Windows-Admins interessant, weil man sich seit Windows 10/Windows Server 2019 via SSH auch auf Windows-Kisten einloggen kann. Für administrative Aufgaben braucht es dann auch einen effektiven Editor.

 Microsoft Edit unter Linux: Das kompakte, statisch kompilierte Binary läuft direkt im Terminal und eignet sich besonders für den Einsatz über SSH oder in minimalen Systemumgebungen.
Microsoft Edit unter Linux: Das kompakte, statisch kompilierte Binary läuft direkt im Terminal und eignet sich besonders für den Einsatz über SSH oder in minimalen Systemumgebungen.
Microsoft Edit unter Windows im Einsatz: Der Editor bietet eine textbasierte Benutzeroberfläche (TUI) und erinnert optisch an klassische Werkzeuge wie den MS-DOS-Editor oder Nano.
Microsoft Edit unter Windows im Einsatz: Der Editor bietet eine textbasierte Benutzeroberfläche (TUI) und erinnert optisch an klassische Werkzeuge wie den MS-DOS-Editor oder Nano.

Veröffentlichung auf GitHub

Der Quellcode sowie vorkompilierte Binaries sind auf GitHub unter github.com/microsoft/edit verfügbar. Für Linux steht ein statisch gelinktes Binary bereit, das ohne weitere Abhängigkeiten ausgeführt werden kann:

$ wget https://github.com/microsoft/edit/releases/download/v1.0.0/edit-1.0.0-x86_64-linux-gnu.xz
$ unxz edit-1.0.0-x86_64-linux-gnu.xz
$ chmod +x edit-1.0.0-x86_64-linux-gnu
$ ./edit-1.0.0-x86_64-linux-gnu

Im Arch User Repository (AUR) stehen mehrere inoffizielle Pakete zur Verfügung, unter anderem edit, ms-edit, ms-edit-bin und microsoft-edit. Ich möchte hier keine Empfehlung ausgeben, mit Sicherheit wird hier in den nächsten Tagen ein wenig aufgeräumt. Dazu kommen Kochrezepte mit der Endung -git, die das Programm aus dem Quellcode bauen.

$ yay -Ss microsoft edit
aur/edit 1.0.0-1 (+0 0.00) 
    A simple editor for simple needs (Microsoft Edit)
aur/ms-edit 1.0.0-1 (+1 1.00) 
    A simple editor for simple needs (Microsoft Edit)
aur/ms-edit-git 1.0.0.r1.ge8d40f6-1 (+2 1.98) 
    A simple editor for simple needs (Microsoft Edit)
aur/ms-edit-bin 1.0.0-1 (+3 2.99) 
    A simple editor for simple needs (Microsoft Edit)
aur/microsoft-edit-git 1.0.0.r1.ge8d40f6-2 (+1 1.00) 
    Modern version of the MS-DOS Editor with a modern UI and keybindings similar to VS Code
aur/microsoft-edit 1.0.0-2 (+2 1.99) 
    Modern version of the MS-DOS Editor with a modern UI and keybindings similar to VS Code

Entwicklung aus Eigeninitiative

Der Editor entstand im Rahmen eines internen Microsoft-Projekts, wurde jedoch größtenteils in der Freizeit des Entwicklers umgesetzt. In einem ausführlichen Kommentar auf Hacker News beschreibt der Autor Hintergründe zur Entstehung, den Technologiestack sowie die Beweggründe für die Eigenentwicklung anstelle der Verwendung bestehender TUI-Editoren. Einen neuen Editor für Linux-User zu schaffen, stand allerdings nicht auf dem Zettel. /s

Ziel sei es unter anderem gewesen, ein möglichst kleines Binary mit guter Unicode-Unterstützung bereitzustellen, das systemnah arbeitet und sich auch für automatisierte Systemumgebungen oder Remote-Shells eignet. Ob sich Edit langfristig gegen etablierte Editoren behaupten kann, bleibt abzuwarten. Der Fokus auf Minimalismus, Portabilität und UTF-8-Kompatibilität dürfte insbesondere in reduzierten oder serverseitigen Umgebungen relevant sein.

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