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Public Domain Day: Diese Werke sind ab heute gemeinfrei

Von: Timur Vorkul

Mit Beginn des Jahres 2026 gehen viele Kunstwerke, Schriften und Musikstücke in die Public Domain über. In Europa sind das die Werke von Urheber*innen, die im Jahr 1955 gestorben sind. Mit dabei sind Thomas Mann, Fernand Léger und Clemence Housman.

Das Gemälde "La grande parade (Le Cirque)" von Fernand Léger, 1949.
La grande parade (Le Cirque) von Fernand Léger, 1949. – Public Domain Fernand Léger

Am 1. Januar gibt es etwas zu feiern, und zwar den „Public Domain Day“. Tausende und Abertausende Kunstwerke von Autor*innen, Künstler*innen und Musiker*innen werden gemeinfrei. Sie sind damit nicht mehr urheberrechtlich geschützt, sondern gehen in die Public Domain über, also gewissermaßen in den Besitz der Allgemeinheit. Ab sofort dürfen sie ohne Einschränkungen kopiert, wiederverwendet, angepasst und weiterverbreitet werden.

Im europäischen Urheberverwertungsrecht gilt größtenteils das Prinzip „Leben + 70 Jahre“. Die sogenannte Regelschutzfrist schützt Werke für die Dauer von 70 Jahren nach dem Tod der Urheber*innen. Erst danach dürfen sie ohne Genehmigung veröffentlicht werden. Mit dem heutigen Jahresanfang werden somit Werke von Urheber*innen gemeinfrei, die im Jahr 1955 verstorben sind.

Lesenswertes

Darunter sind in diesem Jahr die Werke des bedeutenden deutschen Schriftstellers Thomas Mann. Für seinen ersten Roman „Buddenbrooks“ erhielt er den Nobelpreis für Literatur, sein umfassendes Werk besteht aber auch aus Kurzgeschichten, Essays und Gedichten.

Die Schriftstellerin Clemence Housman blickt leicht lächelnd in die Kamera.
Clemence Housman vor einem Sufragetten-Transparent, ca. 1910.

Weniger bekannt, politisch aber mindestens spannend ist der französische Schriftsteller Léon Werth. Mit seiner kriegskritischen Erzählung „Clavel Soldat“ sorgte er kurz nach dem Ersten Weltkrieg für Aufsehen, seine Flucht vor den Nazis hielt er in „33 Tage“ und sein Zeugnis der Besatzungsjahre aus seinem Versteck im fast tausendseitigen Buch „Als die Zeit stillstand. Tagebuch 1940 – 1944“ fest. In „Cochinchine“ übte er außerdem Kritik am französischen Kolonialismus. Es ist eben jener Léon Werth, dem Antoine de Saint-Exupéry den „Kleinen Prinzen“ gewidmet hat.

In den Romanen der britischen Autorin und Holzschnitzerin Clemence Housman können Lesende Werwölfinnen und meerjungfrauenähnlichen Gestalten begegnen. Ihre Werke tragen Titel wie „The Were-Wolf“, „Unknown Sea“ und „The Life of Sir Aglovale De Galis“. Housman war in der Suffragettenbewegung aktiv und beschäftigte sich mit den sich wandelnden Geschlechterrollen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Sehens- und Hörenswertes

Neben den Werken des Franzosen Fernand Léger werden auch die Arbeiten des deutschen Malers Karl Hofer gemeinfrei. Er zählt zu den bedeutendsten Maler*innen der Moderne in Deutschland.

Aus dem musikalischen Bereich sind der Schweizer Komponist Arthur Honegger und der italienische Musiker Francesco Balilla Pratella zu nennen.

Urheberrecht: Alles andere als einfach

Die Schutzfristen unterscheiden sich von Land zu Land. So werden die Werke des spanischen Philosophen José Ortega y Gasset in verschiedenen europäischen Ländern bereits gemeinfrei, nicht aber in seinem eigenen Herkunftsland Spanien. Dort sind seine Schriften erst in zehn Jahren frei nutzbar.

Marlene Dietrich mit Zylinder und Frack.
Marlene Dietrich am Set des Films „Marokko“, 1930. - IMAGO / glasshouseimages

In den USA werden zum Jahreswechsel Werke für alle zugänglich, die im Jahr 1930 veröffentlicht wurden – unabhängig vom Todeszeitpunkt der Autor*innen. Darunter der Krimi „Mord im Pfarrhaus“ von Agatha Christie, in dem Miss Marple zum ersten Mal vorkommt.

Außerdem gehen dort gleich zwei Filme des Regisseurs Josef von Sternberg in die Public Domain über, in denen Marlene Dietrich mitgespielt hat: „Der blaue Engel“ und „Marokko“, in dem Dietrich in einer berühmten Szene, elegant gekleidet mit Zylinder und Frack, eine Frau küsst.

Albert Einstein und noch viele mehr

Neben der hier vorgestellten kleinen Auswahl gibt es viel mehr in die Gemeinfreiheit entlassene Werke zu entdecken. Listen mit Urheber*innen, die im Jahr 1955 verstorben sind, stellt die deutschsprachige und die englischsprachige Wikipedia zusammen.

Der bekannteste auf der Liste dürfte der Physiker Albert Einstein sein. Aber auch Veröffentlichungen des Mediziners und Mitentdeckers des Antibiotikums Penicillin, Alexander Fleming, sowie des Mathematikers Hermann Weyl sind nun zur freien Nutzung freigegeben.


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Public Domain Day: Was Kinderbuch-Illustrationen und Wittgenstein gemeinsam haben

Von: Anna Biselli
Ein Schauspieler hält das Buch "Emil und die Detektive" hoch
Ab 1. Januar 2022 gemeinfrei: Die Illustrationen von Walter Trier, etwa für „Emil und die Detektive“ – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / APress

In der Europäischen Union bleiben Urheberrechte bis 70 Jahre nach dem Tod eines Autors, einer Komponistin oder eines Malers bestehen. Ab dem Jahreswechsel sind daher die Werke von Urheber:innen, die im Jahr 1951 verstorben sind, gemeinfrei. Die Regelschutzfrist endet und sie können nun bearbeitet, veröffentlicht und in Projekten wie der Wikipedia oder Büchern genutzt werden. Auf welche Urheber:innen das zutrifft, ist in der Wikipedia aufbereitet.

Im Mai 1951 verstarb Etta Federn-Kohlhaas. Die in Wien geborene Schriftstellerin schloss sich in den 20er-Jahren der anarchistischen Bewegung an, erhielt Morddrohungen und zog zunächst nach Spanien und während des Krieges nach Frankreich. Sie schrieb Biografien, etwa über Walther Rathenau und porträtierte revolutionäre Frauen. Ebenso gemeinfrei sind nun die Werke der deutschen Sozialistin Anna Siemsen. Sie verfasste Werke wie „Deutschland zwischen Gestern und Morgen“ oder „Einführung in den Sozialismus“.

Kompositionen, Illustrationen und Romane

Die Werke des Komponisten Arnold Schönberg werden 2022 auch in die Public Domain übergeehen. Sein Nachlass wird vom Arnold Schönberg Center archiviert und in Datenbanken katalogisiert. Er komponierte nicht nur prägende Werke der atonalen Musik, sondern malte auch 361 Bilder. Wie der schöpferische Nachlass von Schönberg ist auch der des Philosophen Ludwig Wittgenstein Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Der Sprachanalytiker verstarb im Mai 1951 und hinterließ 20.000 Seiten, die unter anderem aus 83 Manuskripten bestehen.

Der Fotograf und Maler Wols, bürgerlich Alfred Otto Wolfgang Schulze, lebte und arbeitete vor allem in Paris. Er illustrierte Bücher von Sartre und Kafka, fotografierte für Modemagazine und schuf surrealistische Ölgemälde. Als Illustrator bekannt ist auch Walter Trier, der nach Kriegsende nach Kanada auswanderte. Besonders bekannt sind seine Zeichnungen für die Bücher Erich Kästners, darunter „Emil und die Detektive“.

Der österreichische Romanautor Hermann Broch verfasste die bedeutende Trilogie „Die Schlafwandler“. Er lebte ab 1938 in den USA im Exil und gehörte während des Nationalsozialismus zu den Autor:innen, deren Bücher verboten waren.


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