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Fritzbox lernt DNS-Filter à la Pi-hole oder AdGuard Home

29. Juli 2026 um 09:53

Vor etwa einem Jahr hat sich meine alte Fritzbox verabschiedet. Ersatz musste also her, und meine Wahl fiel auf die Fritzbox 5690 Pro. Aktuell kommt mein Internet noch über DSL ins Haus, mittelfristig stand jedoch der Umstieg auf Glasfaser an. Deshalb erschien mir das Modell als passende Lösung.

Die Entscheidung war rückblickend richtig. In rund zwei Wochen geht’s in eine neue Wohnung, in der bereits ein Glasfaseranschluss vorhanden ist. Die 5690 Pro kann ich deshalb ohne erneuten Routerwechsel weiterverwenden. Gerade bei Netzwerktechnik finde ich es angenehm, wenn eine Anschaffung nicht schon nach kurzer Zeit ersetzt werden muss.

Viel Hardware, lange wenig Labor

Bei einem Spitzenmodell fühlte ich mich mit der 5690 Pro allerdings lange etwas im Stich gelassen. Die Vorstellung und der Zusatz „Pro“ klangen nach der modernsten, leistungsfähigsten und besonders zukunftssicheren Lösung. In der Praxis erhielten zunächst aber vor allem die etablierten 7×90-Modelle neue Labor-Firmwares und Funktionen.

Auch einige bei der Vorstellung angekündigte Funktionen fehlten zunächst. Dazu gehörte etwa die Matter-Integration. Matter ist ein herstellerübergreifender Standard für Smart-Home-Geräte, der die Zusammenarbeit verschiedener Systeme vereinfachen soll. Bei der Vorstellung auf dem MWC im Februar 2023 war das eines der großen Features. Später war davon jedoch nichts mehr zu lesen.

Langsam scheint sich die Situation allerdings zu ändern. Seit einiger Zeit hat Fritz die 5690 Pro wiederentdeckt und versorgt sie ähnlich gut mit neuen Funktionen wie die 7x90er-Reihe. Mit dem aktuellen FRITZ! Labor gibt es nun endlich die Matter-Integration – für die mir allerdings noch ein Matter-Controller fehlt – und vor allem die aktuellen Entwicklungen, an denen Fritz derzeit arbeitet.

DNS-Filter direkt in der Fritzbox

Eine Neuerung finde ich deutlich praktischer als die Matter-Unterstützung: Die Fritzbox kann mit FRITZ!OS 8.40 DNS-Filterlisten verwenden. Damit nähert sich der Router Funktionen an, die bislang vor allem Pi-hole oder AdGuard Home bereitgestellt haben. Zusätzliche Hardware ist dafür nicht mehr zwingend erforderlich.

DNS steht für Domain Name System. Vereinfacht gesagt übersetzt DNS Namen wie linuxundich.de in die IP-Adressen, über die Rechner und Server miteinander kommunizieren. Ein DNS-Filter prüft solche Anfragen gegen Listen bekannter Werbe-, Tracking- oder Schadsoftware-Domains und verhindert bei passenden Treffern die Namensauflösung.

Die Filterung erfolgt damit zentral im Heimnetz. Geräte müssen keinen eigenen Werbeblocker installieren, solange sie die Fritzbox als DNS-Server verwenden. Das kann besonders bei Smartphones, Smart-TVs oder anderen Geräten hilfreich sein, auf denen sich Browser-Erweiterungen wie uBlock Origin nicht einsetzen lassen.

DNS-Filter aktivieren

Die neue Funktion versteckt sich etwas tief in der Oberfläche. Zuerst öffnet ihr die Benutzeroberfläche der Fritzbox und wechselt zu Heimnetz | Netzwerk. Anschließend öffnet ihr den Reiter Netzwerkeinstellungen. Die erweiterten Optionen sind zunächst ausgeblendet und müssen separat eingeblendet werden.

Dazu klickt ihr unten im Bereich Erweiterte Netzwerkeinstellungen auf Erweiterte Netzwerkeinstellungen ändern. In der aktuellen Labor-Firmware findet ihr anschließend den Reiter DNS-Filter. Dort aktiviert ihr die Option Fritzbox als DNS-Filter und könnt danach eine oder mehrere Filterlisten hinterlegen.

Die vollständige Reihenfolge lautet:

  • Heimnetz | Netzwerk
  • Reiter Netzwerkeinstellungen
  • Erweiterte Netzwerkeinstellungen | Erweiterte Netzwerkeinstellungen ändern
  • Reiter DNS-Filter
  • Fritzbox als DNS-Filter aktivieren
  • Filterlisten eintragen
  • Filterlisten aktualisieren auswählen

Die Fritzbox lädt die eingetragenen Listen anschließend herunter und verwendet sie für die DNS-Filterung. Welche Listen sinnvoll sind, hängt vom gewünschten Umfang ab. Sehr große Listen blockieren mehr Domains, erhöhen aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Webseiten oder Dienste unerwartet nicht mehr korrekt funktionieren.

Bildschirmansicht der Fritzbox 5690 Pro Benutzeroberfläche mit geöffnetem Dialog zum Hinzufügen einer DNS-Filterliste namens 'The Block List Project / Ads'
Die DNS-Filterfunktion muss in der Labor-Firmware zunächst aktiviert werden. Voraussetzung ist FRITZ!OS 8.40, das die Filterlisten direkt in der Fritzbox unterstützt.
Benutzeroberfläche der FRITZ!Box 5690 Pro mit geöffnetem DNS-Filter-Tab und einer Liste von DNS-Filterlisten mit Namen, Aktualisierungszeitpunkten und URLs.
Die Fritzbox verwendet dasselbe Listenformat wie Pi-hole. Dadurch lassen sich viele bestehende Filterlisten ohne Anpassungen direkt in die Router-Konfiguration übernehmen.

Eine gute Quelle für Filterlisten ist das Block List Project. Die Listen aus der Spalte Original/Pi-Hole Native funktionieren auch mit der Fritzbox. Ich würde zunächst nur wenige Listen aktivieren und die Auswahl bei Bedarf erweitern. Je umfangreicher die Filterung ausfällt, desto größer ist das Risiko, dass einzelne Webseiten oder Dienste nicht mehr korrekt funktionieren.

Funktion mit einem Werbeblocker-Test prüfen

Ob die DNS-Filterung aktiv ist, könnt ihr beispielsweise mit Ad Blocker Test überprüfen. Deaktiviert vorher den Werbeblocker im Browser, damit das Testergebnis tatsächlich die Filterung der Fritzbox bewertet. Browser-Erweiterungen würden sonst zusätzliche Domains blockieren und das Ergebnis verfälschen.

Ein DNS-Filter ersetzt einen Browser-Werbeblocker allerdings nicht vollständig. Er kann nur Domains blockieren, nicht einzelne Werbeelemente innerhalb einer ansonsten benötigten Webseite. Moderne Browser-Erweiterungen können Inhalte dagegen gezielter ausblenden und das Layout einer Seite bereinigen. Beide Ansätze ergänzen sich deshalb sinnvoll.

Screenshot einer Webseite mit einem Adblocker-Test, der einen halbkreisförmigen orangefarbenen Fortschrittsbalken mit 48 Prozent anzeigt, darunter eine Statistik mit Gesamtzahl, blockierten und nicht blockierten Elementen sowie farbigen Bannern und Warnhinweisen.
Ohne aktivierten DNS-Filter und mit deaktiviertem Werbeblocker im Browser erkennt der Test zahlreiche Werbe- und Tracking-Domains, die weiterhin uneingeschränkt erreichbar sind.
Screenshot einer Webseite mit einem Adblocker-Test, der eine Blockierquote von 98 Prozent anzeigt, darunter ein grüner Kreis und eine Statistik mit 132 Gesamtanfragen, davon 129 blockiert und 3 nicht blockiert
Mit den wichtigsten Listen des Block List Project blockiert die Fritzbox einen großen Teil der getesteten Werbe- und Tracking-Domains direkt im Heimnetz.

Weniger zusätzliche Infrastruktur

Ich habe bislang Pi-hole und später auch AdGuard Home und Technitium genutzt. Die Lösungen funktionieren gut, benötigen aber einen dauerhaft laufenden Rechner, einen Raspberry Pi oder einen Container. Das bedeutet zusätzliche Software, Updates und eine weitere Komponente, deren Ausfall den Internetzugang beeinträchtigen kann.

Genau diese Situation hatte ich gelegentlich. Wenn der Raspberry Pi oder später der Docker-Container nicht mehr lief, funktionierte die Namensauflösung im Heimnetz nicht mehr. Die Internetverbindung war technisch vorhanden, viele Webseiten ließen sich trotzdem nicht öffnen. Ursache war dabei natürlich meine eigene Infrastruktur.

Zu Hause lässt sich ein solcher Fehler meist schnell beheben. Wer jedoch die IT von Eltern, Verwandten oder Freunden betreut, kennt die andere Seite: Ein ausgefallener DNS-Filter führt schnell zu einem Anruf mit der Aussage, das Internet sei kaputt. Je weniger zusätzliche Systeme dort laufen, desto weniger Fehlerquellen entstehen.

Was Pi-hole und AdGuard Home weiterhin besser können

Die Fritzbox ersetzt Pi-hole, AdGuard Home oder Technitium nicht vollständig. Selbst gehostete DNS-Filter bieten umfangreiche Statistiken, Protokolle und Auswertungen. Dort lässt sich nachvollziehen, welches Gerät welche Domains angefragt hat und wie viele Anfragen durch einzelne Filterlisten blockiert wurden.

Screenshot der Softwareoberfläche von Technitium mit farbiger Liniengrafik und Statistikdaten zu DNS-Serveranfragen
Ausführliche Statistiken wie hier bei Technitium bietet die DNS-Filterfunktion der Fritzbox bislang nicht. Die Router-Lösung konzentriert sich auf das zentrale Verwalten und Anwenden von Filterlisten.

Und klar: Einen eigenen DNS-Resolver wie Unbound lässt sich mit den DNS-Filtern der Fritzbox nicht aufbauen. Die Fritzbox übernimmt lediglich die Filterung von DNS-Anfragen. Wer die vollständige Kontrolle über die DNS-Auflösung behalten oder Anfragen selbst rekursiv auflösen möchte, benötigt weiterhin einen eigenen DNS-Server.

Auch detaillierte Ausnahmen, unterschiedliche Regeln für einzelne Geräte oder Gruppen und komfortable Verwaltungsoberflächen gehören bei den spezialisierten Lösungen zum Funktionsumfang. Hinzu kommen Erweiterungen, mit denen sich die Filterung direkt vom Desktop oder Smartphone aus zeitweise abschalten lässt. Solche Möglichkeiten fehlen der Fritzbox bislang.

Für meinen Alltag sind diese Funktionen allerdings weniger wichtig, als es auf den ersten Blick klingt. Die bunten Diagramme habe ich meist nur gelegentlich angesehen. Auch die Möglichkeit, den Filter mit einem Klick zu deaktivieren, brauchte ich selten. Eine einfache, zentrale Filterung reicht mir häufig aus.

Eine sinnvolle Funktion für viele Heimnetze

Ich finde die neue DNS-Filterfunktion deshalb ausgesprochen gelungen. Sie reduziert den technischen Aufwand und macht die Filterung unabhängiger von einem zusätzlichen Raspberry Pi oder Container. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle über die verwendeten Listen im eigenen Heimnetz, statt sämtliche DNS-Anfragen einem externen Filterdienst anzuvertrauen.

Gerade für kleinere Heimnetze oder Systeme, die ich für andere betreue, dürfte die Lösung interessant sein. Die Fritzbox läuft ohnehin rund um die Uhr und übernimmt bereits zentrale Aufgaben. Wenn sie zusätzlich DNS-Filterlisten verwalten kann, spart das Hardware, Wartung und eine weitere mögliche Fehlerquelle.

Pi-hole und AdGuard Home bleiben für anspruchsvollere Installationen die flexibleren Werkzeuge. Wer Statistiken, detaillierte Regeln oder eine umfassende Kontrolle über den eigenen DNS-Server benötigt, wird dort weiterhin mehr Möglichkeiten finden. Für eine unkomplizierte Filterung direkt im Router ist der neue Fritzbox-Ansatz aber ein sinnvoller Schritt.

WireGuard-VPN zwischen Fritzbox und Linux einrichten

23. Mai 2025 um 12:46

Jetzt, da ja eine neue Fritzbox 5690 Pro in meinem Flur steht, kann ich endlich mal das (gar nicht so) neue WireGuard-VPN der Fritzbox ausprobieren. Ganz neu ist das VPN Protokoll für mich nicht, schließlich kann man es problemlos mit wg-easy und ähnlichen Tools aufsetzen. Trotzdem finde ich es praktisch, wenn so eine Funktion direkt im Router integriert ist und nicht auf einem separaten Server laufen muss.

So bleibt der Zugriff auf das eigene Netzwerk auch dann möglich, wenn der Server eines Tages mal nicht so funktioniert, wie er soll. Wenn mit der Box generell etwas nicht stimmt und die Internetverbindung komplett wegbricht, ist in der Regel ohnehin alles verloren. Zudem sind Portweiterleitungen in diesem Fall ebenso wenig notwendig wie ein zusätzlicher DynDNS-Dienst, das übernimmt AVM mit seinem MyFritz-Service.

WireGuard auf der Fritzbox einrichten

Einrichten lässt sich das Ganze in der Fritzbox unter Internet » Freigaben im Reiter VPN (WireGuard). Dort wählt man Verbindung hinzufügen und anschließend Einzelgerät verbinden. Den Namen der Verbindung könnt ihr frei wählen, üblicherweise nutzt man hier den Namen des Client-Rechners oder der Person, die das VPN nutzen wird. Zum Schluss muss das Anlegen der Verbindung noch bestätigt werden, etwa per Telefon, Tastendruck oder über die Fritz-App.

Anschließend zeigt euch die Fritzbox eine Seite mit einem QR Code. Den könnt ihr zum Beispiel mit dem Smartphone scannen, um die Verbindung direkt in die offizielle WireGuard App für Android zu übernehmen. Alternativ geht auch die Open-Source-App WG Tunnel, die deutlich mehr Funktionen bietet wie der „offizielle“ WireGuard-Client für Android. Ich persönlich nutze WG Tunnel, das ich über F-Droid installiert habe.

WireGuard Konfiguration in NetworkManager

Für Linux (und generell Desktop-PCs) bietet die Fritzbox die Möglichkeit, die Konfiguration herunterzuladen. Klickt auf den Button und speichert die Datei lokal auf der Festplatte ab. Die Datei wird standardmäßig als wg_config.conf im Ordner Downloads gespeichert. Der Name ist nicht ganz unwichtig, da einige WireGuard-Clients diesen Namen automatisch zur Benennung der Schnittstelle heranziehen.

Die Fritzbox erzeugt die Konfiguration automatisch. Ihr müsst sie nur noch herunterladen oder den QR-Code nutzen. Danach lässt sich das VPN sofort einsetzen.
Die Fritzbox erzeugt die Konfiguration automatisch. Ihr müsst sie nur noch herunterladen oder den QR-Code nutzen. Danach lässt sich das VPN sofort einsetzen.
Wählt die Option Einzelgerät, um eine Verbindung zwischen einem mobilen Gerät oder Laptop und eurem Heimnetzwerk aufzubauen. Für Site to Site braucht es andere Einstellungen.
Wählt die Option Einzelgerät, um eine Verbindung zwischen einem mobilen Gerät oder Laptop und eurem Heimnetzwerk aufzubauen. Für Site-to-Site braucht es andere Einstellungen.
Der QR Code ist ideal für Smartphones. Unter Linux arbeitet ihr jedoch meist komfortabler mit der exportierten Konfigurationsdatei, die sich leicht in NetworkManager importieren lässt.
Der QR Code ist ideal für Smartphones. Unter Linux arbeitet ihr jedoch meist komfortabler mit der exportierten Konfigurationsdatei, die sich leicht in NetworkManager importieren lässt.

Den Import erledigt ihr direkt über den NetworkManager am Desktop oder per Kommandozeile. Unter GNOME geht ihr in die Einstellungen, dann Netzwerk, dort klickt ihr auf das Plus Symbol und wählt Aus Datei importieren …. Danach die wg_config.conf Datei auswählen und importieren. Den Namen der Verbindung könnt ihr dann in den Einstellungen beliebig anpassen, ich empfehle aber den Schnittstellennamen auf wg0 zu setzen.

$ nmcli connection import type wireguard file ~/Downloads/wg_config.conf
Verbindung »wg_config« (39724859-b102-4446-bdb2-1ec60f501360) erfolgreich hinzugefügt.

Das war es schon. Ihr könnt das VPN jetzt direkt über die Quick Settings in GNOME aktivieren. Auch andere Desktopumgebungen wie KDE bieten passende Möglichkeiten. Wenn ihr prüfen möchtet, ob die Verbindung steht, installiert unter GNOME die Erweiterung IP Finder. Sie zeigt euch die öffentliche IP-Adresse mitsamt Länderflagge. Sobald dort die Flagge eures Wohnorts erscheint statt eures aktuellen Aufenthaltsorts (bspw. im Urlaub im Ausland), steht das VPN.

Die GNOME Oberfläche erlaubt den Import von VPN Konfigurationen mit wenigen Klicks. Damit ist der Tunnel in Sekundenschnelle einsatzbereit und ohne Terminal nutzbar.
Die GNOME-Oberfläche erlaubt den Import von VPN-Konfigurationen mit wenigen Klicks. Damit ist der Tunnel in Sekundenschnelle einsatzbereit und ohne Terminal nutzbar.
Nach dem Import lässt sich der Name der Verbindung noch anpassen. Auch das Interface lässt sich umbenennen, zum Beispiel auf das klassische wg0.]
Nach dem Import lässt sich der Name der Verbindung noch anpassen. Auch das Interface lässt sich umbenennen, zum Beispiel auf das klassische wg0.]
Ist die Konfiguration einmal importiert, könnt ihr die VPN-Verbindung jederzeit über die Schnellzugriffe aktivieren. So bleibt euer System stets mit dem Heimnetz verbunden.
Ist die Konfiguration einmal importiert, könnt ihr die VPN-Verbindung jederzeit über die Schnellzugriffe aktivieren. So bleibt euer System stets mit dem Heimnetz verbunden.
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