🔒
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Ältere BeiträgeHaupt-Feeds

Attacke auf Messenger: Signal will in Zukunft stärker vor Phishing warnen

08. Mai 2026 um 14:53

Signal reagiert auf die umfangreiche Phishing-Kampagne mit Änderungen in der App. Derweil wird die Dimension der Attacke deutlicher: Schon im Januar waren fast 14.000 Accounts gezielt angeschrieben worden.

Smartphone mit geöffneter Signal-Messenger-App vor einem unscharfen Bildschirm mit dem Signal-Logo
Nach und nach kommen immer mehr Details heraus, wie die Phishing-Kampagne auf Signal funtioniert. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Sven Simon

In einem Interview mit dem Spiegel (€) hat Signal-Chefin Meredith Whittaker angekündigt, dass der Messenger in Zukunft zusätzliche Warnhinweise anzeigen wird, um Phishing besser zu verhindern. Hintergrund der Maßnahme sind die teilweise erfolgreichen Phishing-Versuche gegen Vertreter:innen aus Politik, Militär und Journalismus, der in Deutschland nach Medienberichten zwei Ministerinnen und die Bundestagspräsidentin zum Opfer fielen.

Im Interview sagte Whittaker:

Wenn jemand zum ersten Mal eine Nachricht von einer unbekannten Nummer erhält, werden künftig zusätzliche Warnhinweise angezeigt. Das Annehmen neuer, unbekannter Kontakte wird in Zukunft nicht mehr mit einem einzigen Klick möglich sein und zwingend einen Warnhinweis enthalten. Wir prüfen noch weitere Ideen und werden dazu bald mehr bekannt geben. Und um es noch einmal klar zu sagen: Signal wird Nutzer niemals in einem zweiseitigen Chat kontaktieren, um sie nach ihrer PIN, ihrem Schlüssel oder anderen Informationen zu fragen.

Öffentlich bekannt wurde die Attacke in Deutschland, als netzpolitik.org am 28. Januar darüber berichtete, dass zahlreiche Journalist:innen im Visier stünden. Gut eine Woche nach dem Bericht warnten dann der Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Angriffswelle. Mittlerweile haben die Behörden ein weiteres Update der Warnung samt Handlungsleitfaden veröffentlicht.

Am gestrigen Donnerstag war die Phishing-Kampagne auch Thema im Digital- und im Innenausschuss des Bundestages. In nicht-öffentlicher Sitzung wurde durch Verfassungsschutzchef Sinan Selen und BSI-Chefin Claudia Plattner die Kampagne nachgezeichnet und noch einmal vor Phishing gewarnt. Laut dem Bericht wussten die Behörden erst „im Januar“ über die Angriffe Bescheid. Nach Informationen von netzpolitik.org könnte allerdings ein Ende 2025 vom Phishing betroffener Bundestagsabgeordneter beide Behörden schon früher informiert haben.

Viel spricht für Russland als Urheber des Angriffs

Mittlerweile verdichtet sich, dass Russland hinter der Attacke stecken dürfte. Das niederländische Verteidigungsministerium hatte Anfang März verlautbart, dass Russland hinter der laufenden Phishing-Kampagne gegen hochrangige Personen aus Politik, Militär, Zivilgesellschaft und Journalismus stecken soll. BSI und Verfassungsschutz hatten vor den Attacken gewarnt und diese als „wahrscheinlich staatlich gesteuert“ bezeichnet. Die Bundesregierung schreibt den Angriff bislang nicht offiziell einem Land zu, ließ aber über Regierungskreise verbreiten, dass Russland dahinter stecke.

In einer Mitteilung auf der Webseite des niederländischen Verteidigungsministeriums sprechen sowohl der militärische Geheimdienst MIVD als auch der zivile Geheimdienst AIVD von „russischen Staatshackern“, die hinter dem Angriff auf Signal und WhatsApp stecken würden. Auch netzpolitik.org hat Hinweise, welche die Theorie einer russischen Urheberschaft des Angriffs untermauern.

Wir sind ein spendenfinanziertes Medium.

Unterstütze auch Du unsere Arbeit mit einer Spende.

Mehr als 13.700 Telefonnummern

Das Medienhaus Correctiv hatte zudem den Angriff auf den früheren Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Arndt Freytag von Loringhoven, ausgewertet und ist dabei auch auf digitale Spuren gestoßen, die nach Russland führen.

Weiteren Spuren nachgegangen sind auch die IT-Sicherheitsexperten des Security Labs von Amnesty International, die sich schon frühzeitig mit der Kampagne befasst haben. Sie haben einem Bericht des Spiegels (€) zufolge ein Angriffswerkzeug gefunden. Wie Donncha Ó Cearbhaill, der Leiter des Amnesty-Labs dem Medium mitteilte, soll es sich um ein in russischer Sprache programmiertes Werkzeug namens ApocalypseZ handeln.

Die Untersuchung konnte erstmals auch eine Zahl der angegriffenen Signal-Accounts offenlegen. In der Datenbank der Angreifer konnten die Amnesty-Expert:innen Mobilfunknummern potenzieller Opfer sehen. „Im Januar waren es mehr als 13.700“, sagte Ó Cearbhaill gegenüber dem Spiegel. In den Screenshots des Schadprogramms konnten die Forscher:innen zudem sehen, dass viele der Phishing-Nachrichten über polnische und niederländische Nummern verschickt wurden.

Laut dem Spiegel-Bericht bestätigt sich nun auch die Annahme, die Donncha Ó Cearbhaill schon im Januar gegenüber netzpolitik.org geäußert hatte: Die Angreifer lesen die Kontakte derjenigen aus, die auf das Phishing hereinfallen – und versenden dann neue Nachrichten. Ziel ist die Übernahme der Accounts samt Einblicken in Netzwerke und zukünftige Inhalte der Kommunikation.


Die Arbeit von netzpolitik.org finanziert sich zu fast 100% aus den Spenden unserer Leser:innen.
Werde Teil dieser einzigartigen Community und unterstütze auch Du unseren gemeinwohlorientierten, werbe- und trackingfreien Journalismus jetzt mit einer Spende.

Anlasslose Massenüberwachung: Messenger Signal wird Deutschland verlassen, wenn Chatkontrolle kommt

01. Oktober 2025 um 12:14

In den kommenden Tagen wird die Bundesregierung entscheiden, wie sie am 14. Oktober in der EU zur Chatkontrolle abstimmt. Eines ist klar: Kommt die Chatkontrolle, wird es keine verschlüsselte und sichere Kommunikation mehr geben.

Handy mit Signal App
Noch ist der Messenger Signal in Europa verfügbar. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / CHROMORANGE

Der beliebte sichere Messenger Signal hat angekündigt, dass er Deutschland und Europa verlassen wird, wenn die Chatkontrolle kommt und sich keine Wege ergeben, sich dieser anlasslosen Massenüberwachung der privaten Kommunikation zu verweigern. Das hat Signal-Chefin Meredith Whittaker gegenüber der dpa gesagt, wie Tagesschau und Heise berichten. Es deutet sich an, dass eine Entscheidung über die Chatkontrolle am 14. Oktober fallen könnte – und die Position der Bundesregierung ist dabei entscheidend.

„Wenn wir vor die Wahl gestellt würden, entweder die Integrität unserer Verschlüsselung und unsere Datenschutzgarantien zu untergraben oder Europa zu verlassen, würden wir leider die Entscheidung treffen, den Markt zu verlassen“, sagte Meredith Whittaker der Nachrichtenagentur dpa.

Bei der so genannten Chatkontrolle geht es um eine EU-Verordnung, die sich gegen die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs (sogenannte Kinderpornografie) richten soll. Sie wird seit drei Jahren kontrovers in der EU verhandelt, weil die Verordnung Vorschriften enthält, die Messenger wie WhatsApp, Signal, Threema oder Telegram verpflichten sollen, die Dateien aller Menschen auf deren Smartphones und Endgeräten ohne jeden Verdacht zu durchsuchen.

Chatkontrolle als Bedrohung für Privatsphäre und Demokratie

Dieses Durchleuchten von Dateien würde dazu führen, dass eine verschlüsselte und sichere Kommunikation für niemanden mehr möglich ist, weil die Dateien schon vor der eigentlichen Verschlüsselung angeschaut werden können. Die komplette IT-Fachwelt, führende Sicherheitsforscher, Wissenschaftler:innen aus aller Welt sowie zivilgesellschaftliche Organisationen aller Art lehnen daher die Chatkontrolle als Bedrohung für die Demokratie vehement ab. Das Suchen nach Inhalten ist technisch nicht auf bestimmte Inhalte zu begrenzen, sondern könnte in wenigen Handgriffen auch auf politisch missliebige Inhalte ausgeweitet werden.

Signal-Chefin Whittaker sagte der dpa, dass ihr Messenger niemals die Integrität seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung untergraben werde. „Sie garantiert die Privatsphäre von Millionen und Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt, oft auch in lebensbedrohlichen Situationen.“ Signal lehne deshalb die Chatkontrolle ab. „Es ist bedauerlich, dass Politiker weiterhin einer Art magischem Denken verfallen, das davon ausgeht, dass man eine Hintertür schaffen kann, auf die nur die Guten Zugriff haben.“

Bundesregierung mauert

Während der Ampel-Regierung war die Ablehnung der Chatkontrolle nach anfänglichen Unstimmigkeiten mit dem Innenministerium relativ sicher. Das hat sich mit der neuen schwarz-roten Regierung geändert.

Die neue Bundesregierung, aber auch das beteiligte Innenministerium, das Justizministerium und der Digitalminister machen derzeit keine Aussagen, wie sie zur Chatkontrolle stehen und wie Deutschland am 14. Oktober im EU-Rat stimmen wird. Eine Entscheidung in der Bundesregierung soll in den nächsten Tagen fallen.


Die Arbeit von netzpolitik.org finanziert sich zu fast 100% aus den Spenden unserer Leser:innen.
Werde Teil dieser einzigartigen Community und unterstütze auch Du unseren gemeinwohlorientierten, werbe- und trackingfreien Journalismus jetzt mit einer Spende.

  • Es gibt keine weiteren Artikel
❌