Wenn ihr Spotify unter Linux mit GNOME nutzt, habt ihr vielleicht in den letzten Tagen einen unschönen blauen Rahmen um das Anwendungsfenster bemerkt. Ich sehe das Problem hier bei mir unter Arch Linux, es dürfte aber alle Distributionen betreffen.
Schuld daran ist ein Update des offiziellen Linux-Clients auf Electron-Basis, das die GTK-Style-Window-Decoration durcheinandergebracht hat. Die Funktionalität von Spotify bleibt zwar unverändert, optisch sieht es aber alles andere als schick aus.
Spotify mit blauem Rahmen. Ein Update des Linux-Clients hat die GTK-Style-Window-Decoration beschädigt, sodass das Fenster unschön blau gerahmt wird und nicht korrekt angezeigt wird.
Lösungsmöglichkeiten für Spotify
Es gibt zwei einfache Wege, um das Problem zu beheben. Die bequemste Variante ist, Spotify als Flatpak zu installieren. Die Flatpak-Version zeigt den blauen Rahmen nicht und ihr müsst euch um nichts kümmern. Änderungen an der Konfiguration sind nicht nötig.
Die Flatpak-Version von Spotify zeigt den blauen Rahmen nicht, die GTK-Style-Window-Decoration wird korrekt dargestellt und das Fenster sieht nach der Installation normal und fehlerfrei aus.
Falls ihr Spotify hingegen über den Spotify Launcher (Paket spotify-launcher aus den Extra-Quellen von Arch) oder direkt aus dem AUR (Eintrag spotify) installiert habt, müsst ihr das Start-Flag --ozone-platform=x11 setzen. Damit wird die GTK-Dekoration korrekt angezeigt. Je nach Installationsart fügt ihr das Flag wie folgt ein:
Für AUR-Spotify in der Datei ~/.config/spotify-flags.conf:
--ozone-platform=x11
Für Spotify Launcher in ~/.config/spotify-launcher.conf:
Eventuell müsst ihr diese Dateien erst anlegen. Nach einem Neustart von Spotify sollte der blaue Rahmen verschwunden sein und alles wieder normal aussehen.
Die Konfigurationen unter ~/.config. Die Dateien müssen eventuell erst erstellt werden, ihr braucht nur die passende Datei je nach Installationsart, nicht beide gleichzeitig.Alternativ könnt ihr das Flag –ozone-platform=x11 setzen, wenn ihr Spotify aus dem AUR installiert habt. Dann wird der Fensterrahmen wieder korrekt angezeigt und normal dargestellt.
Korrektur von Fabian auf Mastodon: Das stimmt so nicht. Das ist ganz alleine dem geschulded das Spotify Wayland-nativ läuft und dort, unter GNOME, eine clientseitige Dekoration (CSD) braucht, die es über diese blaue bereit stellt. Das ganze wieder zu X11 zwingen schafft eventuell echte Probleme, wie verschwommene Schriften, schlechtes (kein) scaling und so weiter. Spotify ist auch nicht Elektron, sondern Chromium Embedded Framework (CEF).
Klar, es ist eine Krücke, aber eine die derzeit hilft. Die Änderung lässt sich ja auch schnell wieder rückgängig machen. Die anderen Optionen wären, Gnome unter X11 zu betreiben oder sich mit den blauen Rahmen anzufreunden. Beides in meinen Augen auch nicht gerade optimal. So ist es erstmal ein Workaround, den man natürlich nicht vergessen sollte, falls sich Spotify irgendwann einmal wieder komisch verhält.
Spotify hat aktuell 381 Millionen aktive Hörer:innen – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / ZUMA Wire
Das Aufregerthema der letzten Tage hat ein vorläufiges Ende gefunden: Spotify will den Hörer:innen von Podcasts über Covid-19 zukünftig einen Link zu wissenschaftlich geprüften Inhalten einblenden. Die Maßnahme folgt auf den zuletzt stark gestiegenen öffentlichen Druck. Medienwirksam hatten Wissenschaftler:innen und Künstler:innen gegen das erhöhte Aufkommen von Falschinformationen auf dem Audiostreamingdienst aufbegehrt.
In Reaktion auf diese zunehmende Zahl an Falschinformationen hatten 270 medizinische Fachangestellte, Ärzte und Wissenschaftler einen offenen Brief an Spotify verfasst. Ihnen zufolge schaden die Aussagen Rogans dem gesellschaftlichen Verständnis von Wissenschaft und Medizin. Dies erhöhe die ohnehin enorme Last der Pandemie, welche sie als Ärzt:innen selbst tagtäglich schultern müssen. Daher appellierten sie an Spotify, den Falschinformationen Einhalt zu gebieten. Dem Appell schlossen sich in den letzten Wochen immer mehr Personen des öffentlichen Lebens an: So kündigten unter anderem die Musiker:innen Neil Young und Joni Mitchell an, sich von Spotify zurückzuziehen, sollte das Unternehmen keine Maßnahmen gegen den Podcast ergreifen.
Spotify will kein Medienunternehmen sein
Spotify reagierte mit einer Ankündigung, die auch von Facebook oder anderen Online-Diensten hätte stammen können: Der Konzern wolle zu allen Podcasts über Covid-19 zukünftig einen Link zu wissenschaftlich gesicherten Informationen einblenden. Zudem sind die bereits geltenden Regeln für die Inhalte von Podcasts nun auch öffentlich einsehbar. Für die Podcast-Autoren ergibt sich als einzige Änderung, dass ihnen diese Richtlinien nun regelmäßig angezeigt werden sollen. Ferner gibt Spotify Medienberichten zufolge an, bereits über 20.000 Podcast-Episoden mit Falschinformationen zur Coronapandemie gelöscht zu haben. Am populären Joe Rogan hält das Unternehmen jedoch weiterhin fest.
Auf diese Weise möchte sich Spotify ziemlich durchschaubar aus der Affäre ziehen: Mit der austauschbaren Ankündigung und dem lieblosen Verweis auf den „COVID-19 Information Hub“ impliziert der Konzern, für die Inhalte der Podcasts nicht verantwortlich zu sein. Vielmehr versucht Spotify, das eigene Problem mit den Falschinformationen mit dem Desinformationsproblem der sozialen Medien gleichzusetzen, die vor allem nutzergenerierte Inhalte verbreiten. Auch diese stellten sich lange Zeit als angeblich neutrale Plattformen dar und wollten keine Verantwortung für jegliche Umtriebe auf ihren Diensten übernehmen.
Damit folgt Spotify der Argumentation vieler moderner IT-Unternehmen. Zumeist dient diese jedoch nur dazu, neue regulatorische Auflagen zu verhindern oder bestehende Vorschriften zu umschiffen. Beispielsweise gibt das Unternehmen Uber an, bloß die Infrastruktur für die Fahrtenvermittlung bereitzustellen. Das Unternehmen transportiere also keine Menschen und sei daher nicht als Transportunternehmen zu verstehen, vielmehr agiere es in der Technologiebranche. Auf diese Weise konnte sich Uber in vielen Ländern einen enormen Wettbewerbsvorteil sichern, mit nicht weniger enormen schädlichen Nebenwirkungen.
Nicht mein Content, nicht mein Problem
Ein solches Bild eines „neutralen“ Technologieunternehmens versucht nun auch Spotify zu zeichnen. Allerdings verschweigt es den entscheidenden Punkt: Der Konzern hat im Dezember 2020 die Rechte der Joe Rogan Experience für geschätzte 100 Millionen Dollar gekauft. Der Podcast wurde daraufhin als „Spotify Exclusive“ beworben. Spotify spielt hier keine Rolle als vermeintlich unbeteiligte Distributionsplattform, sondern gleicht viel mehr einem Herausgeber des Podcasts, der Verantwortung für dessen Inhalte übernehmen muss. So schreibt etwa Dennis Horn, der Digitalexperte der ARD:
[…] Spotify ist hier nicht die Plattform. Spotify ist ein Medienanbieter. Und verantwortlich für seine Inhalte. Keine Zeitung druckt einen Hinweis, dass sie nichts damit zu tun habe, was ihre eigenen Leute schreiben.
Der Kauf hat sich für Spotify offenbar rentiert, zumindest bislang: Der Podcast wird mit seinen durchschnittlich 11 Millionen Hörer:innen pro Folge über 170 Millionen Mal im Monat aufgerufen. Damit ist er der meist gehörte Podcast auf der Spotify. Seine Abonnentenzahlen konnte der Konzern nach dem Kauf des Podcasts von rund 144 auf 172 Millionen erhöhen. Das war kalkuliert, denn die ins Boot geholte Person war schon vor dem Kauf hinlänglich bekannt: Ein umstrittener Unterhalter, der Klicks bringt, ohne Berührungsängste mit Verschwörungserzähler:innen, Quacksalbern und Rechtsextremen zu haben.
Ursprünglich war berichtet, dass „270 Ärzte und Wissenschaftler“ den offenen Brief unterzeichnet hatten. Tatsächlich machten sie nur einen Teil der Unterschriften aus.
I show you how to add a right-click context menu to the Spotify icon on the Ubuntu Dock. This lets you access next/prev and play/pause options directly.
Ich sehe gerade, dass in zahlreichen Foren Nutzer mit Arch Linux auf dem Rechner aufschlagen, bei denen das Update vom über das AUR installiertem Spotify klemmt — Vermutlich dürften auch Manjaro und andere Arch-Derivate mit der Thematik kämpfen. Der Hintergrund ist dabei nicht weiter tragisch: Spotify hat einfach nur den GPG-Schlüssel geändert, mit denen die Entwickler ihre Pakete signieren. Dadurch scheitert der Download beziehungsweise die Überprüfung des Downloads und der AUR-Helper bricht das Update des Spotify-Pakets ab.
$ yay -Syu
[...]
:: PGP keys need importing:
-> F9A211976ED662F00E59361E5E3C45D7B312C643, required by: spotify
==> Import? [Y/n]
:: Importing keys with gpg...
gpg: Keine gültigen OpenPGP-Daten gefunden.
gpg: Anzahl insgesamt bearbeiteter Schlüssel: 0
-> problem importing keys
Um das Problem nun möglichst einfach zu lösen, macht ihr einfach ein Terminalfenster auf. Danach löscht ihr den obsoleten Schlüssel aus dem System und importiert den neuen GPG-Key der Entwickler von der Spotify-Webseite. Anschließend leert ihr den Cache des AUR-Helpers Yay (war zumindest bei mir nötig) und spielt dann alle anstehenden Updates ein. Diesmal sollte die Aktion ohne Fehler in einem Rutsch durchlaufen. Generell habe ich schon öfters festgestellt, dass Spotify gerne seine Schlüssel ändert, behaltet die Lösung daher also im Hinterkopf.
$ gpg --delete-key 8FD3D9A8D3800305A9FFF259D1742AD60D811D58
$ curl -sS https://download.spotify.com/debian/pubkey_5E3C45D7B312C643.gpg | gpg --import -
$ yay -Sc
$ yay -Syu
Überhaupt lohnt sich bei bockigen AUR-Paketen auch immer ein Blick auf die AUR-Seite des entsprechenden Pakets. Im Fall von Spotify wird die Lösung dort bereits ausführlich diskutiert. Schaut bei den Beiträgen auch immer auf das Datum des jeweiligen Kommentars: Oben unter „Pinned Comments“ sind immer wieder angestaubte Beiträge mit deutlich veralteten Informationen fixiert — je nach Engagement des Paketbetreuers. Erst unter den „Latest Comments“ findet ihr die neusten Kommentare mit aktuellen Hinweisen bei Problemen oder Schwierigkeiten.
Mit dem richtigen GPG-Schlüssel funktioniert das Update von Spotify unter Arch Linux wieder.