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Offene WLANs: Keine Speicherpflicht für Freifunk-Netze

31. Januar 2022 um 13:21
Betreiber:innen von Freifunk-Netzen müssen keine Daten von Nutzenden speichern, bestätigt die Bundesnetzagentur. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Markus Spiske

Eine Änderung im neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) sorgt für Verunsicherung bei Freifunker:innen: Womöglich sind Betreiber:innen offener Netze dazu verpflichtet, etwaige Daten von Nutzenden zu speichern, um sie bei Bedarf an Ermittlungsbehörden weitergeben zu können – so die Sorge.

Aus der Bundesnetzagentur (BNetzA) kommt nun Entwarnung: Zwar handle es sich ihrer Auffassung nach bei Freifunk-Netzen „funktional um einen Internetzugangsdienst“, von der Speicherpflicht sind sie jedoch nicht erfasst. „Unter der Annahme, dass die Erbringung des Internetzugangsdienstes beim Freifunk ausschließlich durch die Vergabe dynamischer IP-Adressen gegenüber den Nutzern erfolgt, ist das Tatbestandsmerkmal der Vergabe einer Anschlusskennung nicht erfüllt“, teilt ein BNetzA-Sprecher auf Anfrage mit. „Aus dem gleichen Grund scheidet auch die Bereitstellung eines Telekommunikationsanschlusses aus.“

Das bedeutet: Wer das Freifunk-Netz nutzt, bekommt jedes Mal spontan eine IP-Adresse zugewiesen. Zwar ändern sich die IP-Adressen für Kund:innen bei herkömlichen Internetanbietern häufig auch regelmäßig, die Kund:innen haben jedoch zusätzlich eine gleichbleibende Anschlusskennung. Das macht für die BNetzA den Unterschied.

Immer wieder Sorgen

Ähnliche Fragen stellten sich vor einigen Jahren, als die ehemalige Große Koalition die Vorratsdatenspeicherung eingeführt hat. Freifunker:innen fürchteten, „vorbeugend eine Überwachungsinfrastruktur aufbauen“ zu müssen, um dem Gesetz nachkommen zu können. Dazu ist es nicht gekommen: Zum einen hatte die BNetzA „erhebliche Zweifel“ daran, dass Freifunk ein Internetzugangsdienst im Sinne des Gesetzes sei und nahm solche Netze von der Speicherpflicht aus. Zum anderen setzten die Regulierer die Vorratsdatenspeicherungspflicht später gänzlich aus, da Gerichte sie als europarechtswidrig eingestuft hatten. Die derzeitige Ampelkoalition hat angekündigt, ein sogenanntes Quick-Freeze-Modell einzuführen, anstatt auf anlasslose Massenüberwachung zu setzen.

Das im Vorjahr weitflächig überarbeitete Telekommunikationsgesetz trat im Dezember in Kraft und enthält eine schier unüberschaubare Anzahl an neuen Regelungen und Detailänderungen. Deren genaue Auswirkungen lassen sich in vielen Fällen noch nicht absehen, etwa die Regulierungserleichterungen beim Aufbau neuer Glasfasernetze. In anderen Fällen ist wiederum ungeklärt, ob sie eine etwaige Anfechtung vor Gericht überstehen: So wurden beispielsweise die Regeln für die Bestandsdatenauskunft ausgeweitet, unter bestimmten Umständen können Ermittlungsbehörden von Diensteanbietern sogar die Herausgabe von Passwörtern verlangen.

Auch Cafés müssen nicht speichern

Das wird Freifunk-Netze aber nicht treffen, jedenfalls nicht in diesem Fall. Neben Freifunker:innen können auch die meisten anderen aufatmen, die offene WLANs anbieten, etwa Hotels oder Cafés. Solange der vorhandene Anschluss nur spontan und kurzzeitig zur Mitnutzung überlassen wird, zählt dies nicht als „Erbringen eines Telekommunikationsdienstes“, führt eine Amtsblattmitteilung der BNetzA aus. Für die Anwendbarkeit der Speicherpflicht sei zudem entscheidend, ob für die „Erbringung des Dienstes eine Anschlusskennung im Sinne des § 3 Nr. 3 TKG vergeben wird“, schreibt der BNetzA-Sprecher in einer Mail. Inwiefern dies der Fall ist, müsste anhand des konkreten Geschäftsmodells im Einzelfall geprüft werden.

Wenn für die Nutzung des Dienstes Zugangsdaten wie Benutzername und Passwort erforderlich seien, heiße das noch nicht automatisch, dass eine Speicherpflicht für solche Anbieter gelte. „In Frage steht neben der Eindeutigkeit und Einmaligkeit der Zeichenfolge auch die Dauerhaftigkeit der Zuordnung zu einem bestimmten Anschlussinhaber und die entsprechende eindeutige und gleichbleibende Kennzeichnung der Telekommunikation“, so der BNetzA-Sprecher.


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Digitalkompetenz für Senior:innen: Ein Smartphone für Oma

24. Dezember 2021 um 09:57
Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Holzbank eng nebeneinander. Bei schauen nach unten in ihre Smartphone, sodass man die Gesichter nicht sieht, sondern nur die Kopfbedeckungen.
Obwohl Senior:innen mit Smartphones kein seltenes Bild mehr sind, sind viele ältere Menschen beim Umgang mit der Technik immer noch verunsichert. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Addictive Stock

Als Helga Handke 2015 in den Ruhestand ging, schenkten ihre Kinder ihr ein Smartphone. „Damit du auch als Rentnerin am Ball bleibst.“ Mit Computern hatte die Mainzerin in ihrem Berufsleben schon zu tun gehabt, aber das Smartphone war etwas ganz Neues: „Es hat lange gedauert, bis ich das geschnallt hatte. Ich wusste ja nicht mal, was eine App ist.“ Ihr Leben habe zu dieser Zeit analog stattgefunden, die Notwendigkeit für ein Smartphone habe sie nicht gleich einsehen können, berichtet sie. Und doch hat sie sich gefügt und angefangen, das Gerät zu benutzen: „Los ging es für mich mit WhatsApp und der Wettervorhersage.“

WhatsApp und Wetter, diese Erfahrung verbindet Helga Handke mit vielen Senior:innen. Eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) untersuchte in diesem Jahr das Surfverhalten von Menschen über 60 Jahren. Erste Ergebnisse der SIM-Studie zeigten: 77 Prozent der Befragten gaben an, WhatsApp oder einen anderen Messenger zu nutzen, 64 Prozent tun das sogar täglich.

Außerdem weit vorne bei Senior:innen liegen Suchmaschinen, E-Mails und die Nachrichtennutzung. Insgesamt waren etwa 80 Prozent der Befragten online. Bei den Menschen über 80 sinkt der Anteil aber auf nur noch etwa 50 Prozent.

Wer online ist, gehört dazu

Die Gründe für die Skepsis der Menschen waren vielfältig: Der Aufwand des Lernens stehe in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, den man erwarte. Man traue es sich nicht zu, habe Angst vor dem Internet und überdies noch niemanden, der beim Einstieg in die digitale Welt helfen könne. Nur 22 Prozent wollten sich in der Studie für ihre Smartphone-Kenntnisse ein „Gut“ oder „Sehr gut“ ausstellen, bei den über Achtzigjährigen sogar nur zehn Prozent.

Es scheint also Nachholbedarf zu geben, was die Digitalkompetenz der älteren Generation angeht. Das merkte auch Helga Handke irgendwann: „Große Teile des Lebens spielen sich heutzutage online ab. Wenn ältere Leute digital dabei sind, haben sie eher das Gefühl, zur Gesellschaft dazuzugehören.“ Deshalb meldete sich Handke, als die Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS) im Jahr 2018 das Projekt Digitalbotschafterinnen und -botschafter, kurz DigiBo, ins Leben rief.

Die Stiftung ist eine Tochter der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Fabian Geib, der das DigiBo-Projekt koordiniert, berichtet: „Die Medienanstalt und die Stiftung MKFS hatten sich schon länger mit dem Thema Medienkompetenz im Alter beschäftigt. In Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz entwickelte die Medienanstalt beispielsweise das ‚Silver-Surfer‘-Konzept, das sich speziell an ältere Menschen gerichtet hat.“

Bei Silver Surfer seien unter anderem Kurse angeboten worden, die auf Menschen zugeschnitten waren, die den ersten Schritt in die digitale Welt schon geschafft hatten. „Es fehlte aber ein noch niedrigschwelligeres Angebot für die Menschen, die große Berührungsängste mit der Technik haben, keine Kurse besuchen möchten und die vielleicht gar nicht die Chancen digitaler Medien im Alltag kennen“, so Geib.

Der erste Schritt ist oft der schwerste

Auch Helga Handke weiß, dass der erste Schritt oftmals der schwerste ist: „Viele Senioren haben mit Volkshochschulen eher schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn man sich dort für einen Anfängerkurs anmeldet, sitzen da zehn Leute und sieben von denen haben schonmal einen Kurs gemacht. Wenn man sich sowieso schon für nicht zeitgemäß hält, resigniert man dann schnell.“ Oft sei keine Zeit, um einfach mal zu üben, wie man ein Smartphone ein- und wieder ausschaltet, wo welcher Knopf sitzt und welches Loch am Gerät wofür gedacht ist.

Genau das tut Handke, wenn sie als ehrenamtliche Digitalbotschafterin unterwegs ist: „Die Info, dass es dieses Angebot in Rheinland-Pfalz gibt, verbreitet sich oft über Mund-zu-Mund-Propaganda. Dann melden sich Leute bei mir, deren Kinder sagen, dass die Mama das doch mal lernen soll, oder die sehen, dass die Freundin schon online unterwegs ist, und das auch mal probieren wollen.“ Einzige Voraussetzung für eine Beratung sei, dass die Person ein Gerät besitze, die PIN kenne und zu Hause WLAN habe.

Handke geht am liebsten zu den Menschen nach Hause. „Am eigenen Küchentisch fühlen die Leute sich sicher. Da gibt es keine Dritten, die schon mehr wissen. Oft gibt es Kaffee und Kuchen und dann fangen wir ganz langsam an“, so Handke. Das erste Treffen gehe meist komplett dafür drauf, das Smartphone zu betrachten und immer wieder ein- und auszuschalten. „Am Anfang habe ich oft den Fehler gemacht zu sagen: ‚Das ist ganz leicht, das zeig ich dir jetzt mal schnell!‘ Irgendwann habe ich gemerkt: Nein, das ist alles überhaupt nicht leicht.“

Wie wird das Wetter und wo fährt der Bus?

Viele Senior:innen müssen die Bedienung lernen wie eine neue Sprache. Neue Vokabeln, viele davon auf Englisch. Dazu kommt die Bedienung. Viele sind noch nie zuvor mit einem Touchscreen in Berührung gekommen: „Das Wischen ist für viele ältere Menschen ganz schwer. Eine kurze Berührung auf dem Handy macht etwas anderes als eine lange Berührung. Dazu sind Dinge wie die Tastatur oft winzig klein“, klagt die Digitalbotschafterin. Da muss sie auch manchmal in den Notfalleinsatz, wenn plötzlich alle App-Symbole auf dem Startbildschirm verschwunden sind. „Die Dame hatte einfach nur nach links gewischt und war auf der zweiten Seite des Startbildschirms. Aber da waren dann natürlich alle Apps weg und man macht sich Sorgen, dass man etwas kaputt gemacht hat.“

Diese Ängste zu nehmen, begreift Handke auch als ihre Aufgabe. Wichtig sei vor allem, dass die Menschen einen Nutzen im Gelernten sehen. Deshalb geht es nach der grundlegenden Bedienung mit möglichst praktischen Anwendungen weiter: „Die Menschen verstehen sehr schnell, wie ihnen das Smartphone im Alltag weiterhelfen kann, wenn sie in der Wetter-App sehen, wann es regnet, oder sie die nächste Bushaltestelle finden“, erzählt Handke.

Auch schnelle Erfolgserlebnisse seien wichtig, so die Mainzerin. Wer gerade gelernt hat, WhatsApp zu bedienen, soll Handke jeden Morgen zur Übung eine Nachricht schreiben. Beziehungsweise jeden Morgen einen digitalen Brief auf die Post bringen. Denn um verständlich zu machen, was bei der Technik im Hintergrund passiert, überträgt sie die Vorgänge in die analoge Welt: „Oft rufen mich Leute an und sagen: ‚Frau Handke, das war so was Seltsames mit Updates, das habe ich aber weggedrückt.‘ Ich muss dann erklären, warum Updates wichtig sind. Die Leute sollen sich vorstellen, sie gehen einkaufen. Dann würden sie niemals Haustür, Gartentür und Fenster offen lassen. Und wenn an einer der Türen das Schloss wackelt, würden sie es austauschen lassen. Nichts anderes sind Updates für Apps.“

Von Gleichaltrigen lernen

Fabian Geib von der Stfitung MKFS betont, dass ein Ziel des DigiBo-Projekt auch sei, solche Meta-Themen der digitalen Welt zu vermitteln: „Themen wie Datenschutz oder Sicherheit spielen bei uns eine große Rolle. Man muss natürlich aufpassen, dass man am Anfang nicht zu viel über Gefahren spricht, um die Menschen nicht gleich wieder zu verschrecken. Aber unsere Botschafter:innen bauen das dort ein, wo es gerade akut wichtig ist.“

Wenn es wie bei Messengern mehrere Dienste zur Auswahl gibt, würden die Botschafter:innen Chancen und Risiken der einzelnen Systeme erklären. Dass WhatsApp zum Beispiel beim Datenschutz nicht so gut dasteht wie Signal oder Threema. „Es hilft aber auch nicht, einem älteren Menschen Threema zu installieren und zu erklären, wenn sie gar niemanden kennen, der diese App nutzt, weil die Enkelkinder vielleicht auch nur auf WhatsApp setzen“, so Geib. „Wichtig ist, dass die Menschen auf Basis guter Informationen selbst entscheiden können.“

In ganz Rheinland-Pfalz gibt es derzeit schon über 300 DigiBos. Wer sich als Botschafter:in bewirbt, bekommt eine kostenlose mehrtägige Schulung, bei der vor allem vermittelt wird, wie Lernen im Alter funktioniert. Das Durchschnittsalter der DigiBos liegt bei 69 Jahren, berichtet Geib. „Der Peer-to-peer-Ansatz funktioniert sehr gut, da die DigiBos in einer ähnlichen Lebenssituation und einem ähnlichen Alter sind und sich so gut in die Zielgruppe versetzen können.“

Durch die Pandemie mit Skype und Jitsi

Der Peer-to-peer-Ansatz stammt aus der Lernforschung. Beim Lernen durch Beobachtung ist der Lerneffekt umso höher, je besser man sich mit der Person identifizieren kann, die man imitiert und von der man lernt. Das bedeutet, dass die eigenen Kinder oder Enkelkinder eher weniger als Lehrer:innen geeignet sind, weil sie aus einer anderen Generation stammen. Gleichaltrige Digitalbotschafter:innen können sehr viel besser verstehen, warum eine bestimmte Aufgabe oder Anwendung älteren Menschen schwer fällt.

Helga Handke kann das aus ihrer Erfahrung als Botschafterin nur bestätigen. Wichtig sei die Beziehungsebene, dass man auch über die Motivation für den Schritt ins Digitale sprechen könne. Man könne den Menschen nur wirklich den Alltag erleichtern, indem man ein paar Dinge herausfindet, die dieser speziellen Person in ihrem individuellen Alltag weiterhelfen können. „Wenn jemand wanderbegeistert und naturinteressiert ist, freut er sich vielleicht über eine App, die bei der Pflanzenbestimmung hilft. Es gibt Apps, die die Gartenarbeit erleichtern sollen. Jeder braucht etwas anderes für sein Leben und man muss gar nicht alles beherrschen. Zehn Funktionen sind für viele Senioren schon viel“, berichtet sie.

Eine Anwendung, die mit Beginn der Pandemie für viele plötzlich wichtig wurde, waren Videokonferenzsysteme. Die Kontaktbeschränkungen trafen auch die DigiBos hart: „Meine Arbeit, also das Niederschwellige, den ersten Einstieg, konnte ich eigentlich gar nicht mehr machen“, berichtet Handke. Andere Botschafter:innen, die mit Fortgeschrittenen arbeiten, haben die Lehrstunden digital weiterführen können. Doch wer noch nicht weit genug war, um an Videokonferenzen teilzunehmen, blieb oftmals auf der Strecke. DigiBos, die vor der Pandemie regelmäßige PC-Treffs oder Sprechstunden angeboten hatten, mussten auch umplanen.

Die Einsamkeit lindern

Fabian Geib schätzt die Kreativität der Ehrenamtlichen: „Manche DigiBos haben einen Router in ihren Garten gestellt und dann im Freien in kleinen Gruppen gearbeitet. Zwischen den Lockdowns sind dann auch viele dazu übergegangen, den Senior:innen die Videokonferenzplattform Jitsi als allererstes beizubringen. Damit man nach Möglichkeit auch bei neuen Kontaktbeschränkungen weitermachen kann.“

Besonders bemerkbar machten sich die Einschränkungen durch die Pandemie in Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Als die Einrichtungen im Frühjahr 2020 für Besucher:innen geschlossen wurden, suchten viele Verantwortliche nach einer Möglichkeit, die Einsamkeit zu lindern. Das rheinland-pfälzische Sozialministerium, das auch Hauptförderer des DigiBo-Projektes ist, finanzierte interessierten Heimen Router und Geräte, die es den Bewohner:innen erleichtern sollten, mit ihren Familien und Bekannten in Kontakt zu bleiben.

Umgesetzt wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit den Digitalbotschafterinnen und -botschaftern und mit Freifunk Mainz. Für Freifunk hat Frank Zimmermann das Projekt betreut: „In Mainz haben wir schon seit einiger Zeit mit einem Seniorenheim zusammengearbeitet, um dort WLAN zur Verfügung zu stellen. Als dann die Pandemie begann, kam die Frage auf, wie man das auf andere Einrichtungen ausdehnen kann. Zusammen mit der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und dem Sozialministerium haben wir dann einem Heim in Ludwigshafen zur Probe einen Router verschafft. Nachdem der Test ein, zwei Wochen gut gelaufen war, hatte ich plötzlich fünfzig Router in meiner Küche liegen.“

Heime schaffen Router an

Freifunk habe die Router beschafft, eingerichtet und dann mit einem „Beipackzettel“ zur Installation vor Ort an die Heime geschickt. Mittlerweile seien es deutlich mehr als fünfzig Router geworden: „In rund 25 Häusern stehen etwa 160 Router. Manche davon haben die Einrichtungen aber auch schon selbst bezahlt, als sie gesehen haben, wie gut das Angebot von den Bewohnern angenommen worden war.“

Doch der beste Internetanschluss nützt nichts, wenn die Senior:innen nicht wissen, wie sie ihn benutzen können. Die DigiBos kamen genauso wenig in die Einrichtungen rein wie alle anderen Besucher:innen. Sie halfen mit Materialien oder auch mal übers Telefon. Fabian Geib hofft aber, dass viele der Ehrenamtlichen so bald wie möglich in Seniorenheime gehen können, um auch dort Digitalkompetenz zu vermitteln.

Die meisten Einrichtungen seien sehr offen für die Initiative gewesen, berichtet Geib. Obwohl man mancherorts noch verschlossen gewesen sei und die zu komplizierte Einrichtung der Router oder ein mangelndes Interesse der Bewohner:innen als Grund angab, seien die Rückmeldungen weitestgehend sehr positiv gewesen.

Ansprechpartner:innen in Kommunen gesucht

Freifunker Zimmermann berichtet, dass es oft gar nicht viel brauche, um Senior:innen den Internetzugang zu ermöglichen: „In vielen Fällen reicht ein Videocall von 15 Minuten aus, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Es braucht dafür nicht viele Anschlüsse oder besondere Räumlichkeiten.“ Der Internetanschluss komme besonders auch den älteren Menschen zugute, die vor ihrem Umzug ins Heim schon online unterwegs waren: „Viele Senioren von heute kennen das Internet und haben es zu Hause genutzt. Dann kommen sie ins Heim und sind plötzlich auf Null.“ Ein Internetzugang werde also immer öfter auch aktiv von den Bewohner:innen nachgefragt.

Doch auch, wenn immer mehr Senior:innen online unterwegs sind, sieht Fabian Geib weiterhin großen Handlungsbedarf im Projekt. Bis Ende 2023 sei das Projekt gefördert. Bis dahin wolle man vor allem die Nachhaltigkeit sichern: „Im nächsten Jahr suchen wir feste Ansprechpartner:innen in den Kommunen, die die DigiBos vor Ort koordinieren und mit Räumlichkeiten und Öffentlichkeitsarbeit aushelfen können. Es müssen weiterhin DigiBos ausgebildet werden.“

Neue Herausforderungen für künftige Generationen

Denn auch in zwanzig Jahren wird die Vermittlung von Medienkompetenz im Alter wichtig bleiben. Zu schnell entwickelten sich die Technik und die Herausforderungen weiter, so Geib. Wer heute auf WhatsApp und im Online-Banking fit ist, kann nicht automatisch morgen seine elektronische Patientenakte (ePA) verwalten. „Jede Krankenkasse hat eine eigene App für die ePA. Jede sieht anders aus. Da warten auch auf künftige Generationen, in denen schon viel mehr Leute digital unterwegs sind, ganz neue Herausforderungen“, sagt Geib.

Je mehr Bereiche des alltäglichen Lebens ins Digitale verlagert werden, desto wichtiger ist es auch für ältere Menschen, den Eintritt in diese Welt nicht zu verpassen. Digitalbotschafterin Helga Handke appelliert: „Habt Mut, probiert es aus. Es passiert nichts Schlimmes, wenn man mal einen falschen Knopf drückt. Was nicht klappt, das übt man einfach noch ein paar Mal. Und niemand muss alles beherrschen.“


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