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Auf den letzten Metern: Biden und Trump wollen TikTok-Sperrung verhindern

17. Januar 2025 um 17:47

Am Sonntag soll TikTok in den USA abgeschaltet werden. Aber die App bleibt eventuell doch. Und gerüchteweise soll Elon Musk sie kaufen. Nutzer:innen suchen derweil nach Alternativen – und wechseln zu einer App, die noch enger mit dem chinesischen Staat verbandelt ist.

Telefon mit Tiktok-Logo vor Trump-Porträt
In den USA hat TikTok 170 Millionen Nutzer:innen. Deren Aufmerksamkeit will sich Donald Trump nicht entgehen lassen. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / TheNews2

Die chinesische Social-Media-App TikTok wird in den USA möglicherweise doch nicht gesperrt, zumindest vorerst. Der Sender NBC hat aus Regierungskreisen erfahren, dass die Biden-Administration das für Sonntag geplante Verbot der App hinauszuzögern versucht. „Amerikaner sollten nicht erwarten, dass TikTok am Sonntag plötzlich gesperrt wird“, zitiert der Sender einen Regierungsmitarbeiter.

Ein im Frühjahr verabschiedetes Gesetz räumte ByteDance, dem chinesischen Anbieter von TikTok, 270 Tage ein, um die US-Sparte von TikTok zu verkaufen. Die Frist läuft am Sonntag ab. Laut Gesetz darf die App dann nicht mehr in US-amerikanischen App-Stores erhältlich sein. Nutzer:innen erhalten dann auch keine Updates mehr. Bis zu 5.000 Dollar Strafe drohen den App-Stores pro Mensch, dem sie TikTok weiter zugänglich machen.

Heute entschied der Supreme Court, dass das Verbot nicht gegen die Redefreiheit verstößt. Vergangene Woche Freitag hatte TikTok noch in einer Anhörung vor dem Supreme Court vergebens versucht, die Durchsetzung des Gesetzes zu verhindern. Daraufhin plante TikTok Berichten zufolge, die App zu Sonntag in den USA abzuschalten.

Trumps 180-Grad-Wende

Ebenfalls am Sonntag ist der letzte Amtstag von Joe Biden. Am Montag übernimmt Donald Trump die Regierungsgeschäfte. Trumps Team kündigte gestern an, nach Wegen zu suchen, die App weiter am Markt zu halten. Laut der Washington Post erwägt Trump eine Anordnung zu erlassen, allerdings ist unklar, ob diese juristisch Bestand hätte. Er kann das Verbot der App um drei Monate herauszögern, wenn es ernstzunehmende Verkaufsverhandlungen gibt.

Im Jahr 2020 hatte Trump noch den Verkauf TikToks in die Wege geleitet. Damals stoppte ein Gericht seine Pläne. Im jüngsten Wahlkampf vollzog der kommende Präsident dann eine 180-Grad-Wende und sprach sich entschieden gegen ein Verbot der App aus. Im Dezember bat Trump die Richter:innen, das Verbot aufzuschieben, um Zeit für eine politische Lösung zu haben. Zuletzt äußerte sich Trump positiv über die App und betonte ihre Bedeutung für den Wahlkampf. Außerdem zeigte er sein Wohlwollen gegenüber TikTok, indem er Geschäftsführer Shou Zi Chew als Ehrengast zu seiner Amtseinführung einlud.

Das der Sperrung zugrundeliegende Gesetz begründet der Kongress mit der nationalen Sicherheit. Durch die App könnten sensible Nutzer:innendaten in die Hände der chinesischen Regierung fallen. Oder diese könnte in den USA gezielt die öffentliche Meinung manipulieren. TikTok bestreitet die Vorwürfe und hat sich in der Vergangenheit wiederholt von der chinesischen Regierung distanziert.

Reißt sich Musk TikTok unter den Nagel?

Laut Bloomberg ziehen chinesische Funktionäre in Betracht, die Plattform an Elon Musk zu verkaufen – was TikTok allerdings dementiert. Musk selbst reagierte mit Lach-Smileys auf die Gerüchte.

Dennoch gibt es gute Gründe, warum ein Verkauf zustande kommen könnte. Das Geschäft mit Musk sei attraktiv für die chinesische Führung, sagt der Tech-Analyst Dan Ives. Der Milliardär ist nicht nur eng mit Trump befreundet, sondern pflegt auch gute Kontakte nach Beijing.

Außerdem verfolgt Musk offenbar weiterhin den Plan, eine „Everything-App“ zu schaffen – eine Plattform, auf der Nutzer:innen chatten, posten, Videos schauen und einkaufen können. Mit dem Kauf von TikTok könnte Musk diesem Ziel einen Schritt näherkommen. Die App könnte ihm außerdem Trainingsdaten für sein KI-Startup xAI liefern. Nach dem Kauf von Twitter änderte Musk dort die Nutzerrichtlinien, um die persönlichen Daten der Nutzer:innen verwenden zu dürfen.

Nicht zuletzt könnte Musk mit einem Kauf von TikTok auch ideologische Ziele verfolgen. Auf X schaffte der Milliardär Faktenchecks weitgehend ab und lockerte die Community-Guidelines. Heute ist X ein Ort für Hass und Hetze – und ein Sprachrohr für die MAGA-Bewegung. Das gleiche Schicksal könnte TikTok ereilen, falls ein Verkauf zustande kommt.

Nutzer:innen flüchten zur nächsten chinesischen Plattform

Währenddessen wechseln viele Nutzer:innen schon jetzt zu einer anderen chinesischen App: RedNote. RedNote gilt als eine chinesische Antwort auf Instagram. In den vergangenen Tagen stand die App fast durchweg auf Platz eins des US-amerikanischen Apple App Store, der Hashtag #TikTokRefugees trendete.

TikTok versucht, sich staatsfern zu geben. RedNote aber gehört zum chinesischen Technologiekonzern Tencent, der offenkundig Verbindungen zum chinesischen Militär hat. Laut Human Rights in China untersteht die App der direkten Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas. Schon der Name der App zeigt die Nähe zur Regierung: „Xiaohongshu“ bedeutet auf Englisch so viel wie „Little Red Book“. So wird auch die Mao-Bibel genannt.


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Studie: Big Tech schreibt sich die KI-Standards selbst

13. Januar 2025 um 17:01

Ursprünglich war der AI Act dazu gedacht, die Grundrechte aller EU-Bürger:innen zu schützen. Nun wird er von Unternehmen ausgehöhlt, sagt die Forschungsgruppe Corporate Europe Observatory. Denn die Unternehmen bestimmen die Normen für KI-Systeme in Gremien massiv mit.

Ein Roboter mit der Aufschrift KI
Von wegen süßer Roboter: Bei den KI-Normen geht es um handfeste Unternehmensinteressen. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO

Während der im letzten Sommer in Kraft getretene AI Act die Leitlinien für KI-Systeme vorgibt, sollen Normen und Standards für rechtliche Anforderungen sorgen. Diese werden von den europäischen Normierungsorganisationen CEN und CENELEC entwickelt, sie bilden gemeinsam das Joint Technical Committee on Artificial Intelligence (JTC21). Doch dieses Komitee wird entscheidend von Vertretern von Big-Tech-Unternehmen dominiert, hat eine Recherche von Corporate Europe Observatory (CEO) herausgefunden.

Wie Big Tech dominiert

Laut der Recherche von CEO besteht mehr als die Hälfte des JTC21 aus Vertretern von Firmen oder Beratungsunternehmen. Ein Viertel der Firmenvertreter haben laut der Recherche Verbindungen zu US-Tech-Giganten und auch Vertreter mit Verbindungen zum chinesischen Konzern Huawei sind präsent.

Die Gruppe der „Berater“ verstärke den Einfluss von Unternehmen deutlich, so CEO. Es gibt laut der Recherche wenig Transparenz darüber, in wessen Auftrag sie handeln, dabei vertreten die scheinbar unabhängigen Experten regelmäßig identische Meinungen wie die Unternehmensvertreter:innen. Bei kritischer Betrachtung werde deutlich, dass sie scheinbar von den gleichen Big-Tech-Unternehmen beauftragt seien.

Kuchendiagramm: 38% Corporate, 17% Consultant, 16% Academia, 13% Government, 9% Civil Society, 6% Standards Body
JTC21-Mitglieder nach Sektor aufgeteilt. - Alle Rechte vorbehalten Corporate Europe Observatory

Zivilgesellschaftliche Organisationen repräsentieren lediglich neun Prozent der Mitglieder beim JTC21. Sie beklagen ungenügende Mittel und logistische Schwierigkeiten, welche die Teilnahme an Treffen erschweren. Da Big-Tech-Unternehmen Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern haben, können sie die Verhandlungen außerdem auf mehreren Landesebenen gleichzeitig steuern und so ihren Einfluss vervielfachen.

Big Tech drängt laut der Recherche darauf, internationale Normen auch auf europäischer Ebene zu übernehmen, obwohl diese oft weniger streng sind als der AI Act es vorsieht. Oft sind sie bereits an internen Standards von Unternehmen orientiert, die die Normen auf internationaler Ebene mitgeschrieben haben. Für eine besonders wichtige Technologie, General Purpose AI, soll es außerdem keine Standards, sondern lediglich einen „Code Of Practice“ geben. Die Umsetzung dieses Codes ist freiwillig und soll von nationalen Behörden und Providern dieser Technologien verfasst werden. Anderen Interessengruppen kommt allein eine unterstützende Aufgabe zu.

Kritik aus der Zivilgesellschaft

Traditionell werden Standards für technische Belange wie zum Beispiel die Sicherheit von Maschinen oder die Grenzwerte von bestimmten Stoffen in Spielzeugen eingesetzt. KI-Systeme haben jedoch auch weitreichende soziale Auswirkungen. Es ist das erste Mal, dass Normen benutzt werden, um fundamentale Rechte, Fairness und Transparenz zu messen.

Bram Vranken von Corporate Europe Observatory kritisiert die Entscheidung der EU, technische Standards zu benutzen: „Dieser undurchsichtige Prozess wird von Unternehmensinteressen dominiert und ist für die Zivilgesellschaft nur schwer zu beeinflussen. Big Tech legt effektiv seine eigenen Regeln für KI-Standards fest und gibt weniger strengen und letztlich schwer durchsetzbaren Regeln Vorrang vor dem öffentlichen Interesse und Grundrechten.“

Dem Ada Lovelace Institut zufolge sind auch die Leitlinien im AI Act oft mehrdeutig formuliert. Nach Artikel 9 muss ein Hoch-Risiko-KI-System nach einer Risiko-Mitigation ein „akzeptables“ Risiko für Grundrechte, Gesundheit und Sicherheit stellen. Doch was heißt das eigentlich?

Normen sind deshalb entscheidend, um beispielsweise festzulegen, wie viel Bias ein System haben kann oder ob ein Datensatz repräsentativ genug ist. Oft fokussieren sich die Standards aber darauf, ob bestimmte Prozesse eingehalten wurden, anstatt auf das Erreichen eines bestimmten Ergebnisses. Das Problem hierbei ist, dass trotz des Einhaltens eines Prozesses, das daraus resultierende KI-System unausgewogen oder unsicher sein kann. Vor dem Hintergrund wird deutlich, dass Standards und Normen ungeeignet erscheinen, wenn Grundrechte auf dem Spiel stehen – insbesondere wenn Big-Tech-Unternehmen mitmischen.


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„Sexuell suggestiv“: Instagram blockierte LGBTQ-Inhalte für minderjährige Nutzer

08. Januar 2025 um 17:56

Instagram hat monatelang Beiträge mit LGBTQ-Hashtags ausgeblendet. Meta spricht von einem „technischen Fehler“. Doch der Schritt passt zum vorauseilenden Gehorsam im Schatten der nächsten Trump-Präsidentschaft.

Regenbogenflagge vor blauem Himmel
Inhalte mit den Hashtags #gay oder #trans blockierte Instagram als „sexuell suggestiv“. – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Rob Maxwell

Instagram hat Suchergebnisse zu LGBTQ-Inhalten für jugendliche Nutzer über Monate blockiert, berichtet die US-Journalistin Taylor Lorenz. Hashtags wie #gay, #lesbian, #bisexual, #trans oder #queer habe die Plattform als „sensible Inhalte“ eingestuft. Solche Inhalte sind nicht verfügbar, wenn Nutzer den Jugendschutz-Filter aktiviert haben. In Accounts von Minderjährigen ist dieser Filter standardmäßig aktiviert.

Jugendliche, die nach solchen Hashtags suchten, wurden stattdessen auf eine Seite weitergeleitet, die erläuterte, warum das Unternehmen „sexuell explizite Inhalte“ blockiert. Die Einschränkungen wurden erst aufgehoben, nachdem Lorenz eine Presseanfrage an Meta stellte. Das Unternehmen versicherte, es handele sich um einen technischen Fehler. Meta betrachte LGBTQ-Content nicht als „sensiblen Inhalt“.

Angriff auf LGBTQ-Rechte in den USA

Gleichzeitig beklagen LGBTQ-Creator seit Jahren, dass ihre Posts auf Instagram einem Shadow-Ban unterliegen würden. Inhalte werden dann zwar nicht gelöscht, aber sie werden anderen Nutzern nicht vorgeschlagen. Dadurch sind sie in ihrer Reichweite stark beschränkt. Nicht nur die Creator, auch Jugendliche, die nach Informationen über die LGBTQ-Community suchen, werden durch diese Richtlinien eingeschränkt.

Die Einschränkungen für LGBTQ-Suchergebnisse erfolgten, während zugleich LGBTQ-Rechte in den USA massiv eingeschränkt werden. Mehr als 20 Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren Gesetze erlassen, die etwa eine affirmative Gesundheitsversorgung für trans Jugendliche verbieten, etwa durch Hormonbehandlungen. Auch Donald Trump hat die Rücknahme von LGBTQ-Rechten zu einem zentralen Thema in seinem Wahlkampf gemacht.

Gesetze wie der vorgeschlagenen Kids Online Safety Act (KOSA) sollen Kinder und Jugendliche davon abhalten, soziale Medien frei nutzen zu können. Co-Sponsorin von KOSA ist die republikanische Senatorin Marsha Blackburn. Sie möchte Minderjährige vor „Transgender und ihrem Einfluss schützen“ und beschreibt soziale Medien als einen Ort, an dem „Minderjährige indoktriniert werden“.

Einschränkung von Bürgerrechten zum Schutz von Kindern?

Einer der bekanntesten Unterstützer für Gesetzgebungen wie KOSA ist Jonathan Haidt, Professor an der New York University Stern School of Business. Er ist auch in Deutschland mit seinem Buch „Generation Angst“ erfolgreich. In seinem Buch verknüpft er fälschlicherweise die Nutzung sozialer Medien mit der sich verschlechternden mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die damit geschürte Angst setzen Befürworter ein, um Unterstützung für Gesetze wie KOSA zu erreichen und Bürgerrechte online einzuschränken.

Auch Jonathan Haidt vertritt in Medien eine wissenschaftlich unbegründete Theorie, wonach Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen sich unter anderem durch soziale Medien ausbreite. Soziale Medien machten Kinder trans, so die These.

Meta-Chef Mark Zuckerberg möchte eine aktive Rolle in Trumps Technologie-Politik spielen und biedert sich beim künftigen Präsidenten an. Anfang der Woche verkündete das Unternehmen, den Trump-Verbündeten Dana White in den Aufsichtsrat zu holen und Faktenchecks auf seinen Plattformen in den USA abzuschaffen. Das Trump-Lager hatte das seit langem gefordert.


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